Christiane K. soll fünf ihrer Kinder getötet haben

Nach Familiendrama in Solingen: Warum holen sich junge Mütter oft keine Hilfe?

08. September 2020 - 10:41 Uhr

Warum hat Christiane K. sich keine Hilfe geholt?

Im nordrhein-westfälischen Solingen wurden fünf Kinder tot in ihrer Wohnung gefunden. Nach RTL-Informationen soll die 27-jährige Mutter, Christiane K., ihre drei Töchter und zwei Söhne mit Tabletten vergiftet haben. Ihren elfjährigen Sohn ließ sie am Leben. Wir ließen uns von Psychologe Dr. Dirk Baumeier einschätzen, was jemanden zu so einer Tat treiben kann. Er sagt, die Mutter muss sich in psychischer Ausnahmesituation befunden haben. Aber warum hat sie sich – wie so viele überforderte Mütter – keine Hilfe geholt?

Viele haben Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden

Für junge Mütter gibt es vielfältige staatliche und private Hilfsangebote. Oft werden diese allerdings nicht in Anspruch genommen, weil Frauen Angst davor haben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, erklärt Stephan Hiller vom Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE). Er äußerte sich anlässlich des Falls der fünf getöteten Kinder in Solingen. Wie die Situation in Solingen war, war zunächst unklar.

Es gebe auch viele Familien, die nach außen nicht zeigen wollen, dass sie ein Problem haben, erklärt Familienberater Michael Möller. Bei dem Fall in Solingen spiele der Kontext der Familienverhältnisse eine Rolle. Da stelle sich die Frage, ob die Mutter weitere Unterstützung gehabt habe. Nach Angaben der Polizei hatten sich die Mutter und ihr letzter Partner, der auch der Kindesvater von vier der getöteten Kinder war, vor gut einem Jahr getrennt. Die Tat sei wohl in einem Zustand der emotionalen Überforderung begangen worden.

Es herrscht eine große Hemmschwelle

Wenn etwas zu Hause nicht stimmt, fällt das oft im Kindergarten oder in der Schule auf. "Dann wird natürlich das Jugendamt auf den Plan gerufen", erklärt Stephan Hiller. Die arbeiten dann mit freien Trägern der Wohlfahrtspflege zusammen, die dann bestimmte Angebote für solche Familien haben.

Ein sehr hochschwelliges Angebot seien etwa Mutter-Kind-Häuser, sagt Hiller. Hochschwellig, weil es stationär ist, also Mütter mit ihren Kindern etwa in bestimmte Wohngruppen ziehen. Es gebe aber auch Programme, wo Familien, Mütter, Väter trainiert werden, wie sie mit ihren Kindern umgehen können. "Diese Angebote werden immer mehr."

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Auch anonyme Beratung ist möglich

"Es gibt auch anonyme Angebote, wie die Telefonseelsorge", sagt Familienberater Möller. "An die sollte man sich immer wenden, wenn man meint, man hat ein Problem."

Für die fünf toten Kinder kam jede Hilfe zu spät. Wie geht es jetzt mit dem elfjährigen Bruder weiter? In Abstimmung mit dem Jugendamt befindet er sich zur Zeit bei seiner Großmutter. Er müsse ganz intensiv psychologisch betreut werden, sagt Stephan Hiller vom BVkE. "Ich wünsche mir, dass das Kind die beste Förderung hat."

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de.

Die Nummer des Elterntelefons lautet 0800/111-0-550.