"Geschenk Gottes"

Zur Vorbeugung gegen Corona: US-Präsident Trump nimmt Malaria-Medikament

Donald Trump  nimmt seit einiger Zeit das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin, um sich in der Coronakrise zu schützen.
© AP, Evan Vucci, EV

19. Mai 2020 - 11:55 Uhr

Der Nutzen ist unklar, die Risiken hoch

US-Präsident Donald Trump (73) nimmt nach eigenen Angaben ein Malaria-Medikament, um sich in der Corona-Krise zu schützen. Das birgt nicht nur Risiken, sondern könnte auch ein falsches Signal senden.

Von seinem Leibarzt Sean Conley empfohlen

US-Präsident Donald Trump nimmt nach eigenen Angaben ein Malaria-Medikament als Corona-Prophylaxe. Er nehme seit etwa eineinhalb Wochen Hydroxychloroquin ein, sagte Trump. Er habe "sehr gute Dinge" über das seit Langem zugelassene Malaria-Präparat gehört.

Das Weiße Haus veröffentlichte am Abend ein Schreiben von Trumps Leibarzt Sean Conley, wonach Trump und er nach zahlreichen Diskussionen zu dem Schluss gekommen seien, dass mögliche Vorteile einer Behandlung mit Hydroxychloroquin die damit verbundenen Risiken überwiegen. Es gibt bislang keine belastbaren wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit des Medikaments im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen

Trump hatte im März und April immer wieder für Hydroxychloroquin als Therapie für die vom neuartigen Coronavirus verursachte Erkrankung Covid-19 geworben. Das Medikament sei ein "Geschenk Gottes" und könne einer der größten Durchbrüche der Medizingeschichte werden, schwärmte er. Ende April warnte die US-Lebensmittel- und Arzneibehörde (FDA) allerdings vor dem angeblichen Wundermittel: Es gebe keine belastbaren Beweise einer Wirksamkeit gegen Covid-19, das Mittel erhöhe aber das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen. Zuvor hatte eine Studie bei Einnahme des Medikaments in Kombination mit einem Antibiotikum eine höhere Sterblichkeit bei Patienten festgestellt.

Auf Nachfrage nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Nutzen einer solchen Prophylaxe behauptete Trump, er habe dazu viele Anrufe bekommen und viele Ärzte und Krankenschwestern nähmen es auch vorsorglich ein. Es blieb zunächst unklar, ob Trump mit dem Medikament einer Infektion mit dem neuartigen Virus vorbeugen will, oder er die Hoffnung hat, dass damit mögliche Covid-Symptome milder ausfallen würden. Trump erklärte, er habe die Einnahme des Medikaments mit dem Arzt des Weißen Hauses abgestimmt. Er nehme auch Zink ein, um sein Immunsystem zu stärken. Der 73-Jährige betonte, er werde alle paar Tage auf das Virus getestet und sei stets negativ.

Nutzen von Malaria-Medikament gegen Corona unklar

Hydroxychloroquin ist in den USA neben Malaria zum Beispiel auch zur Behandlung der Autoimmunkrankheit Lupus und von Arthritis zugelassen. Derzeit untersuchen mehrere Studien einen möglichen Nutzen des Medikaments im Zusammenhang mit Covid-19. Das Nationale Gesundheitsinstitut der USA hatte erst am Donnerstag erklärt, es gebe nun eine klinische Studie mit rund 2.000 Probanden, in der geklärt werden soll, ob die Einnahme von Hydroxychloroquin gemeinsam mit dem Antibiotikum Azithromycin im frühen Stadium einer Covid-19-Erkrankung Krankenhausaufenthalte und Todesfälle reduzieren kann.

Das ursprünglich für Ebola entwickelte Medikament Remdesivir hat in einer größeren Studie zumindest die durchschnittliche Krankheitsdauer verringert. Das Medikament hat daher eine Ausnahmegenehmigung zur Behandlung von Covid-19 in Krankenhäusern in den USA erhalten.

Trump gibt ein gefährliches Vorbild ab

Aussagen des Präsidenten in medizinischen Belangen haben Gewicht - selbst wenn er einschränkt, dass er kein Arzt sei. Nach seinem anhaltenden Werben für den Wirkstoff Chloroquin etwa stieg die Zahl der Verschreibungen in den USA trotz Warnungen von Experten um das 46-fache an, wie eine Analyse der "New York Times" Ende April zeigte. Suchanfragen bei Google nach Kaufmöglichkeiten gingen einer anderen Studie zufolge durch die Decke.

Ende März hatte die FDA auch gewarnt, dass Menschen Hydroxychloroquin mit Chloroquinphosphat verwechselten, das für Aquariumfische eingesetzt werde. Mindestens eine Person sei daher nach der Einnahme des vermeintlichen Covid-Medikaments gestorben, erklärte die FDA.

Pseudo-medizinischen Gedankenspiele

"Achtung: Das Befolgen von Ratschlägen von Donald Trump gefährdet Ihre Gesundheit", schrieb der demokratische Senator Chris Van Hollen auf Twitter. "Das ist derselbe Quacksalber, der vorgeschlagen hat, Desinfektionsmittel zu injizieren." In der Tat hatte Trump mit einem Gedankenspiel für einen Aufschrei im ganzen Land gesorgt: Der Präsident spekulierte, ob nicht das direkte Spritzen von Bleich- oder Desinfektionsmittel in den Körper eine gute Coronavirus-Therapie sein könnte.

Experten waren entsetzt, weil eine Injektion oder das Schlucken von Bleich- und Desinfektionsmitteln lebensgefährlich sein kann. Gesundheitsbehörden im ganzen Land sowie Hersteller der Mittel sahen sich gezwungen, teils drastische Warnungen auszusprechen. Angesichts der Empörung behauptete Trump einen Tag danach, seine Vorschläge seien "Sarkasmus" gewesen.

Trump droht WHO mit Zahlungsstopp und Austritt

Nach weiteren Angriffen auf China und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legte Trump am Abend (Ortszeit) mit einer empfindlichen Drohung nach: Sollte sich die WHO innerhalb der kommenden 30 Tage nicht zu "wesentlichen Verbesserungen" verpflichten, werde er Zahlungen endgültig stoppen und die Mitgliedschaft der USA in der Organisation überdenken, heißt es in einem Schreiben an WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, das Trump auf Twitter veröffentlichte. Er hatte die WHO zuvor als "Marionette" Chinas bezeichnet.