Ermittlungen nach Polizeieinsatz in Wanne-Eickel

Schwere Vorwürfe gegen Polizeibeamte: Haben sie zu hart durchgegriffen?

04. Juni 2020 - 8:52 Uhr

Mit Schlagstock und Pfefferspray

Nachdem bei einem Polizeieinsatz am Freitag in Herne Wanne-Eickel Polizisten zu Pfefferspray und Schlagstock gegriffen haben, prüft nun die Essener Polizei das Verhalten der Kollegen. Der Vorwurf: Die Beamten sollen überreagiert und zu hart durchgegriffen haben. Im Vorfeld war die Polizeistreife zu einem Einsatz aufgrund von häuslicher Gewalt gerufen worden. Anwohner flimten das Geschehen. Unser Video zeigt die Auseinandersetzung.

Widerstand gegen Polizeibeamte

Der Vorfall soll sich am Freitagabend in Herne/ Wanne-Eickel ereignet haben. Eine Polizeistreife wurde zu einem Einsatz gerufen. In einem Mehrfamilienhaus sei es zu häuslicher Gewalt gekommen. Kaum waren die Beamten am Einsatzort eingetroffen, nahm das Drama seinen Lauf:

Mehrfach forderten die Beamten einen Mann vor dem Familienhaus auf, sich auf den Boden zu legen. Doch als dieser nicht reagiert und weiter Widerstand leistet, greift einer der Beamten zum Schlagstock. Mithilfe seiner Kollegin und dem Einsatz von Pfefferspray bringen sie den Mann zu Boden. Plötzlich kommt eine Frau hinzu. Auch sie soll sich, so die Angabe der Polizei, gegen die Beamten aufgelehnt haben. Sowohl der Mann als auch die Frau sollen so starken Widerstand geleistet haben, dass die beiden Beamten Verstärkung rufen mussten. Erst dann sei es der Polizei gelungen, die Situation unter Kontrolle zu bringen.​

Shitstorm im Netz: Haben die Beamten überreagiert?

Zur Klärung des Sachverhaltes und zwecks Anzeigenerstattung nahmen die Polizisten die beiden aufgebrachten Herner mit zur Wache. Das Paar soll eine ärztliche Untersuchung abgelehnt haben. Nachdem beide vernommen wurden, durften sie die Polizeiwache wieder verlassen. Die Angaben zu einer häuslichen Gewalt haben sich nicht bestätigt, teilte die Polizei in einem Bericht mit.

Jedoch kursieren seit dem Vorfall im Netz Videosequenzen. Diese zeigen Ausschnitte des Polizeieinsatzes als die Beamten den mit einem Schlagstock und Pfefferspray gegen den Mann und die Frau vorgehen. In den sozialen Netzwerken wird nun diskutiert und kommentiert, ob die Polizei zu hart durchgegriffen habe. Ob dies tatsächlich der Fall gewesen sei, soll nun eine intensive polizeiliche Nachbereitung des Einsatzes klären.

Interne Ermittlungen

Wie am Dienstagnachmittag bekannt wurde, ermittelt nun die Essener Polizei gegen die Beamten. Die Nachbarbehörde habe die Ermittlungen aus Neutralitätsgründen übernommen, sagte eine Sprecherin. Es seien mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt gegen die beteiligten Polizisten gestellt worden. Diese wiederrum hatten eine Anzeige wegen Widerstandes gefertigt. "Wir schauen uns jetzt den kompletten Einsatz an", sagte die Sprecherin. Am Ende seien daran vier Streifenwagenbesatzungen beteiligt gewesen.