Fall um vergifteten Ex-Spion: Grab von Sergej Skripals Frau untersucht

10. März 2018 - 11:30 Uhr

Krimi um vergifteten Ex-Spion Skripal wird immer bizzarer

Spezialkräfte der Polizei versammeln sich an einem Friedhof im britischen Salisbury. In gelben Schutzanzügen untersuchen sie einen Grabstein. Es ist der Grabstein der Frau und des Sohnes von Sergej Skripal - dem vergifteten russischen Ex-Doppelagenten. Gut eine Woche zuvor waren er und seine Tochter mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gekommen. Nun untersuchen Polizei und Militär die Orte, an denen Skripal möglicherweise schon kontaminiert Spuren hinterlassen haben könnte.

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal (hier bei seiner Verhaftung) wurde anscheinend vergiftet.
Der russische Ex-Spion Sergej Skripal (hier bei seiner Verhaftung) wurde anscheinend vergiftet.
© REUTERS, REUTERS TV, EI

Keine Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit

Zudem sollten Soldaten mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände aus dem Bereich im Stadtzentrum der englischen Kleinstadt Salisbury entfernen. Die Behörden suchen nach Hinweisen auf die Täter und Spuren des Nervengifts, mit dem die beiden attackiert wurden. Von einer Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit werde aber weiterhin nicht ausgegangen.

Die britische Polizei weitete die intensiven Ermittlungen derweil auch auf das Haus Skripals in Salisbury aus. Medien spekulierten, das könne ein Hinweis darauf sein, dass Skripal bereits dort in Kontakt mit dem Nervengift gekommen sein könnte. Noch ist unklar, wie und wann der Ex-Spion und seine Tochter damit in Kontakt kamen.

Einem Experten zufolge könnte die Analyse des Gifts Hinweise auf seine Herkunft liefern. Das sagte der Geschichtsprofessor und Experte für chemische Kampfstoffe und Waffen, Ulf Schmidt, von der Universität Kent. Unreinheiten und die Zusammensetzung des Stoffes könnten Hinweise darauf geben, in welcher Umgebung und mit welcher Ausrüstung das Gift hergestellt wurde, so Schmidt. Es gebe eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass hinter dem Attentat ein staatlicher Akteur stecke.

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Die Tochter des russischen Ex-Spions, Yulia Skripal, liegt im Koma.
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© dpa, Uncredited

Außenminister Sergej Lawrow spricht von "unbegründeten Anschuldigungen"

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies unterdessen Spekulationen, Moskau habe eine Rolle in dem Fall, als "Propaganda" zurück. Es gebe bislang keine Beweise oder Fakten, sagte Lawrow. Die Spekulationen zielten darauf ab, "Spannungen zu erhöhen". Wenn es ein ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit bei den Ermittlungen gebe, sei Russland bereit dazu. Allerdings solle man nicht mit "unbegründeten Anschuldigungen" zu den Medien rennen, sagte der Außenminister.

Sergej Skripal und seine Tochter Yulia waren am Wochenende auf einer Parkbank nahe eines Einkaufszentrums in Salisbury mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben. 19 weitere Menschen wurden nach dem Attentat medizinisch behandelt.