Fall Sophia L.: Identifizierung der Frauenleiche ist schwierig und wird dauern

Sophia L. wurde möglicherweise bereits in Oberfranken getötet.
Sophia L. wurde möglicherweise bereits in Oberfranken getötet.

29. Juni 2018 - 16:35 Uhr

Hinweise deuten auf einen Tatort in Oberfranken hin

Die in Deutschland vermisste Studentin Sophia L. ist mit ziemlicher Sicherheit tot, doch bis traurige Gewissheit besteht, wird wohl noch geraume Zeit vergehen. Die deutschen Ermittler rechnen nicht mit einer raschen Identifizierung der in Spanien gefundenen Leiche, die sich in einem Zustand befindet, der eine einfache Klärung unmöglich macht. Um die Zweifel auszuräumen, brauchen die spanischen Ermittler ein DNA-Profil der Studentin aus Amberg. Dies wird derzeit erstellt.

Tatort möglicherweise in Oberfranken

20.06.2018, Bayern, Plech: Die Rastanlage Sperbes an der Autobahn 9 hinter dem Autobahnparkplatz Sperbes zwischen Plech und Hormersdorf. Laut Polizei wurde am 19.06.2018 in der Nähe des Rastplatzes nach Hinweisen im Zusammenhang mit dem Verschwinden
Der Tatort könnte in der Nähe der Rastanlage Sperbes an der A9 liegen.
© dpa, Stephan Fricke, cul

Wann die Identität der im Baskenland gefundenen Leiche feststehe, lässt sich laut eines Polizeisprechers aus Bayreuth derzeit schwer abschätzen, aber: "Wir rechnen nicht mit einer Identifizierung am Wochenende."

Die aus der Oberpfalz stammende Studentin Sophia L. war als Anhalterin auf dem Weg von Leipzig nach Bayern unterwegs, wo sie jedoch nie ankam. Am Freitagnachmittag hatten die Behörden überraschend mitgeteilt, dass es Hinweise auf einen möglichen Tatort in Oberfranken gebe. Nach der Festnahme eines tatverdächtigen Lastwagenfahrers in Spanien am Dienstag wurden demzufolge auch die GPS-Daten seines ausgebrannten Lastwagens ausgewertet. Aufgrund dieser Erkenntnisse könne davon ausgegangen werden, dass die Frau in Oberfranken getötet wurde, hatten die Ermittler mitgeteilt.

Laut "Mittelbayerischer Zeitung" verdichten sich Hinweise, dass Sophia auf dem Autobahnparkplatz Sperbes an der A9 getötet wurde. So habe der Lastwagenfahrer dort drei Stunden Pause gemacht - genug Zeit, um das Verbrechen zu begehen. Danach hätte der Lastwagenfahrer die Leiche durch halb Europa gefahren, bevor er sie womöglich im Baskenland ablegte. Wie die Zeitung weiter schreibt, hatte Sophia auf der Fahrt anfangs noch SMS-Kontakt zu ihren Angehörigen - anderthalb Stunden nachdem sie in den Lastwagen eingestiegen war.

Frauenleiche im Baskenland gefunden - vermutlich ist es die vermisste Sophia L.

20.06.2018, Bayer,Lauf ab der Pegnitz: Bereitschaftspolizei aus Nürnberg sucht die Pegnitzwiese nach der vermissten Tramper ab. Foto: Markus Roider/Reporter 24/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auch in Deutschland suchten Einsatzkräfte der Polizei tagelang nach Spuren.
© dpa, Markus Roider, exa

Inzwischen arbeiten bei Polizei und Staatsanwaltschaft in Bayreuth 15 Personen an der Aufklärung des Falls. Man stehe über einen Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts (BKA) in engem Kontakt mit den spanischen Behörden. "Zentraler Punkt" der Ermittlungen sei nun die Identifizierung der Leiche, die am Donnerstag in der Nähe einer Autobahntankstelle der Gemeinde Asparrena in der baskischen Provinz Álava entdeckt worden war, sagte der Sprecher.

Der tote Frauenkörper war in Spanien obduziert, aber noch nicht identifiziert worden. Der südlich von Madrid festgenommene Fernfahrer soll unterdessen demnächst nach Deutschland gebracht werden. Am Freitag hatte eine Richterin am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid den Mann vernommen und anschließend Haftbefehl erlassen. Er hatte nach Angaben der Bayreuther Ermittler versucht, sich nach Marokko abzusetzen.

Sophia L. war am 14. Juni verschwunden. Zuletzt wurde sie gesehen, als sie an einer Tankstelle an der Autobahn 9 nahe dem Leipziger Flughafen in einen Lastwagen gestiegen sein soll. Mittels Videoaufnahmen und Zeugenaussagen stehe fest, dass es sich dabei um den später in Spanien ausgebrannt gefundenen Lkw handle, hatte die Bayreuther Staatsanwaltschaft mitgeteilt.