Fall Sophia L.: Bruder der Getöteten erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

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1. Juli 2018 - 11:49 Uhr

"Mach deine Sache das nächste Mal besser, viel besser, liebe Polizei"

Es ist traurige Gewissheit: Sophia aus Amberg in der Oberpfalz ist tot - die Leiche der Tramperin wurde in Nordspanien gefunden und per DNA-Abgleich identifiziert, der Tatverdächtige verhaftet. Ein Ermittlungserfolg für die Polizei. Doch die Familie der Getöteten und ihre Freunde erheben jetzt Vorwürfe gegen die Behörden, speziell gegen die Polizei Leipzig. "Mach deine Sache das nächste Mal besser, viel besser, liebe Polizei", schrieb Andreas Lösche, der Bruder der Getöteten, bei Facebook. Im verlinkten Blogbeitrag geht das "Team #findSophia" noch härter mit den Ermittlern ins Gericht.

Harte Worte im #findSophia-Blogbeitrag

Die 28-jährige Sophia wollte am 14. Juni von Leipzig nach Bayern trampen. Sie war an der Autobahn 9 in einen Lastwagen mit marokkanischer Zulassung gestiegen, danach verlor sich ihre Spur. An die Polizei Leipzig gerichtet fordert Lösche bei Facebook: "Bring dem Opfer, seinen Freundinnen und Freunden und Angehörigen von Anfang an deine ganze Empathie, deinen ganzen Einsatz entgegen, damit sie sich nicht wieder über Tage völlig von dir alleine gelassen fühlen…" Harte Worte.

Im #findSophia-Blogbeitrag geht es ähnlich weiter - diesmal im Namen von Sophia, ihren Freunden*innen und Angehörigen. Falls sich tief besorgte Menschen demnächst an die Polizei wenden, "dann wünschen wir uns, dass Sie diese Menschen sofort ernst nehmen und nicht mit Verletzungen reagieren. Und berufen Sie sich nicht auf Verordnungen, die es nicht gibt."

Dem Statement zufolge gab es polizeiinternen Streit, "welche Dienststelle zuständig ist". Ein weiterer Vorwurf: Durch die verschwiegenen Ermittlungen sei das Leid der Angehörigen und Freunde unnötig vergrößert worden. Dem Opfer und dessen Angehörigen solle bitte künftig vollste Empathie und Engagement entgegen gebracht werden - "auch wenn es gerade auf ein Wochenende zugeht". Man wolle sich derzeit nicht öffentlich dazu äußern, sagte ein Polizeisprecher in Bayreuth der Deutschen Presse Agentur. Die Polizei Leipzig ist angefragt.

Sophias Angehörige stehen mit ihrem Schmerz nicht alleine da

Im Netz bekam Andreas Lösche für seinen Post nicht nur Zustimmung: "Ich finde, dass die deutsche Polizei sehr gute Arbeit geleistet hat. Es kommt selten vor, dass der dringend tatverdächtige Mörder so schnell gefasst wird", schrieb ein User. Aber auch die Anteilnahme mit der Familie der Getöteten ist groß. Bei der Bewältigung ihres Schmerzes stehen die Hinterbliebenen nicht alleine da.

Unterdessen wurde bekannt, das sich die Ermittlungen im Fall Sophia wohl noch längere Zeit hinziehen werden. Man müsse zunächst abwarten, wie und wo das Verfahren weitergeführt werde, sagte ein Polizeisprecher.