Fall Peggy: Trotz Leichenfund bleiben viele Fragen offen

14. Juli 2016 - 8:55 Uhr

Was ist wann und wo geschehen?

Der Fund der Knochenreste von Peggys Leiche ist ermittlungstechnisch gesehen ein Erfolg, doch im gesamten Fall ist es allenfalls eine Zäsur. Nachdem das Mädchen 15 Jahre lang verschwunden war, herrscht nun Gewissheit: Das Mädchen ist tot, aber was wo wann passiert ist, ist noch immer unklar. So bleibt zu hoffen, dass die nun gefundenen und eindeutig identifizierten Knochen Aufschluss über das Geschehene geben.

Der Fall Peggy: Leiche gefunden, doch das Rätsel bleibt
Fundort der Skelettteile von Peggy: Was ist wann und wo geschehen?
© dpa, Daniel Karmann

Die Grabungen rund um den Fundort sind mittlerweile abgeschlossen. In einem Radius von hundert Metern durchkämmte die Polizei das Waldgebiet. Jede Faser, jeder noch so kleine Anhaltspunkt kann entscheidend sein, um vor allem die Frage zu klären, wie Peggy zu Tode gekommen ist. Ein Unfall oder ein Verbrechen? Ist sie direkt am 7. Mai 2001, dem Tag ihres Verschwindens gestorben oder vielleicht nach einer Entführung erst später? Und welche Hinweise können die Knochenreste geben?

Manche Tötungsarten hinterlassen Spuren, weiß der der Kriminalbiologe Dr. Mark Bennecke. Brüche oder Messerstiche können sich noch immer feststellen lassen. Ebenso kann man herausfinden, ob es Verletzungen vor dem Tod gab, deren Heilung möglicherweise schon eingesetzt hat.

Um einen möglichen Täter zu überführen, wäre es am hilfreichsten, wenn sich Spuren seiner DNA sichern ließen, zum Beispiel Hautpartikel, Blut oder Spermaspuren. Denn sollte sich herausstellen, dass gewaltsam zu Tode gekommen ist, stellt sich die nächste dringende Frage: Wer ist für ihren Tod verantwortlich?

Bisher blieben alle Ermittlungen erfolglos. Ulvi K., der 2004 wegen Mordes an Peggy verurteilt wurde, ist 2014 in einem Wiederaufnahmeprozess freigesprochen worden. Und anderen Verdächtigen aus dem Umfeld von Peggys Familie konnte nichts nachgewiesen werden.

Der Funde der Knochen liefert nun einen ersten neuen gesicherten Ausgangspunkt, von dem aus neue Ermittlungsansätze verfolgt werden können. Das wird jedoch alles andere als einfach, denn selbst wenn Zeugen in der Nähe des Fundorts etwas gesehen haben, ist es fraglich, ob sie sich 15 Jahre später noch daran erinnern.