Fall Lea Sofie: Ermittlungen gegen die Polizei

31. Mai 2013 - 16:01 Uhr

Vorfall drei Wochen vor Lea Sofies Tod

Im Fall um den qualvollen Tod der kleinen Lea Sofie aus Köln (†2) ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen die Polizei. Grund dafür ist der Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung. Bei einem Besuch bei der Familie hatten die Ermittler zwar den schlechten Zustand der Wohnung vermerkt, die Info aber offensichtlich nicht ans Jugendamt weitergeleitet.

Lea Sofie, Köln-Chorweiler
Die kleine Lea Sofie starb im Dezember 2012 qualvoll in Folge der Misshandlungen durch ihren Stiefvater.

"Es geht um den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung", sagte der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Ulrich Bremer. Die Ermittler prüften, wer den Bericht nicht weitergeleitet habe und ob das Konsequenzen habe. "Man muss betonen, dass damaliger Grund für den Besuch der Polizei war, dass eine Nachbarin angerufen hatte wegen Ruhestörung", sagte Bremer. Es habe kein Verdacht der Kindesmisshandlung bestanden. In einem Vermerk habe ein Polizist festgestellt, dass die Wohnung in einem nicht kindgerechten Zustand sei. Dieser Vermerk sollte ans Jugendamt gehen. Stattdessen ging er nach Polizeiangaben im November an einen Bezirksbeamten, der nicht im Dienst war.

Drei Wochen später - im Dezember 2012 – starb Lea Sofie, nachdem sie brutal misshandelt wurde. Am vergangenen Freitag erhielt der frühere Lebensgefährte der Mutter zwölf Jahre Haft wegen Totschlags. Die Mutter bekam wegen Totschlags durch Unterlassen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren nach Jugendstrafe. Sie war bei der Tat nicht in der Wohnung, versuchte später aber auch nicht, ihr komatöses Kind zu retten. Lea Sofie rang drei Tage lang mit dem Tod.

Polizeidirektor räumt Fehler ein

Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen Unbekannt. Es sei nicht klar, welcher Beamte verantwortlich sei. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, soll auch geklärt werden, ob der Vermerk möglicherweise bewusst nicht weitergegeben wurde.

Laut 'Kölner Stadt-Anzeiger' hat der Leitende Polizeidirektor Michael Temme bereits ein Versäumnis aufseiten der Ermittler eingeräumt. "Da ist eindeutig ein Fehler geschehen", zitiert ihn das Blatt. Auch der Anwalt von Lea Sofies Mutter hatte die Polizei wegen "Unterlassungssünden" angeprangert.

Selbst wenn mit dem Vermerk alles glatt gelaufen wäre, hätte es aus Sicht des stellvertretenden Jugendamtsleiter Klaus Peter Völlmecke keine Garantie gegeben, das Drama zu verhindern. Auch mit dem Einsatz des Notdienstes des Jugendamtes - eine Art schnelle Eingreiftruppe - habe man diese Garantie nicht.