Fall Khashoggi: Nahm er seine Ermordung mit der Apple-Watch auf?

Khashoggi's Apple-Watch könnte die Vorfälle im saudi-arabischen Konsulat aufgezeichnet haben.
Khashoggi's Apple-Watch könnte die Vorfälle im saudi-arabischen Konsulat aufgezeichnet haben.
© dpa, Jacquelyn Martin, JM

13. Oktober 2018 - 17:31 Uhr

Türkische Zeitung: Apple-Watch soll den Mord aufgezeichnet haben

Anfang Oktober wurde der saudische Regimekritiker und Journalist Jamal Khashoggi zuletzt gesehen, als er die Botschaft von Saudi-Arabien in Istanbul betrat. Seither fehlt von ihm jede Spur. Nun verdichten sich die Beweise, dass er in der Botschaft ermordet wurde. Laut einer türkischen Zeitung habe eine Apple-Watch den Mord aufgezeichnet.

Khashoggi wollte Papiere für seine Hochzeit abholen

Noch immer ist unklar, was mit dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Botschaft in Istanbul genau passiert ist. Der 59-Jährige hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seitdem werden Spekulationen über seine Ermordung immer lauter. Am Samstag berichtete die türkische Zeitung "Sabah" über eine Apple-Watch-Tonaufnahme, die seine Ermordung aufgezeichnet haben soll.

Demnach hatte der Regimekritiker noch vor Betreten der saudi-arabischen Botschaft die Aufnahmefunktion an seiner Apple Watch eingeschaltet. Sein Handy, das er seiner vor dem Gebäude wartenden Verlobten gegeben habe, sei mit der Uhr an seinem Handgelenk synchronisiert gewesen. So seien die Geräusche während seiner Exekution gespeichert worden.

Aufzeichnung wurde auf der iCloud gespeichert

A still image taken from CCTV video and obtained by TRT World claims to show Saudi journalist Jamal Khashoggi as he arrives at Saudi Arabia's consulate in Istanbul, Turkey Oct. 2, 2018. Reuters TV/via REUTERS. ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PRO
Ein Videostandbild zeigt laut türkischer Zeitung "Hurriyet" Khashoggi beim Eintritt in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul.
© REUTERS, REUTERS TV, MS

Der türkische Geheimdienst MIT und die Polizei hätten die Daten, die in den iCloud-Speicher übertragen wurden, dann ausgewertet, berichtet "Sabah". iCloud ist ein Dienst von Apple, mit dem Daten gespeichert und mehreren Geräten synchronisiert werden können.

"Die Momente, in denen sich das Attentäter-Team [...] mit Khashoggi beschäftigt hat, wurden Minute für Minute aufgezeichnet", schreiben die Autoren. Die Täter hätten aber versucht, einige Daten zu löschen. "Sabah" beruft sich dabei auf "vertrauenswürdige Quellen".

Türkische Regierungskreise streuen seit Tagen über Medien die These, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sei. Sie geben zunehmend grausige Details preis. Als Folge tauchte immer öfter die Frage auf, wie die Ermittler zu ihren Erkenntnissen kamen und ob sie die diplomatische Vertretung womöglich mit Abhörgeräten ausspioniert hatten.

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Es sollen auch Bildaufnahmen existieren

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Die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman demonstriert in der Nähe des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul.
© dpa, Emrah Gurel, LP

Laut einem Bericht der "Washington Post" gibt es nicht nur Audio-, sondern auch Videoaufnahmen von der Ermordung Khashoggis. Dabei beruft sich die Zeitung auf Informationen der türkischen Regierung. Es soll sich um Aufnahmen einer Überwachungskamera handeln.

Der 59-Jährige ist als Journalist weltweit geachtet und hat für verschiedene saudi-arabische und internationale Medien geschrieben. Sein Verhältnis zum saudischen Königshaus ist aber kompliziert. Obwohl er zeitweise als ein Berater des Königshauses diente, prangert er die Politik von Kronprinz Mohammed bin Salman an. Unter anderem äußerte er sich kritisch zur Militärintervention im Jemen.

Saudi-Arabien weist Vorwürfe zurück - Trump will vermitteln

12.10.2018, USA, Cincinnati: Präsident Donald Trump spricht nach seiner Landung am Cincinnati Municipal Lunken Airport über die Freilassung des Pastors Brunson. Foto: Evan Vucci/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
US-Präsident Trump will bald mit Saudi-Arabiens König Salman über den Fall sprechen.
© dpa, Evan Vucci, EV lof

Saudi-Arabien hatte vor Erscheinen des Berichts jegliche Mitschuld am Verschwinden des Regimekritikers bestritten. Das Königreich sieht sich nach Angaben des Innenministeriums durch falsche Anschuldigungen in ein schlechtes Licht gerückt.

Nun will sich US-Präsident Trump in den Fall einschalten und mit Saudi-Arabiens König Salman darüber sprechen. Er habe ihn bislang noch nicht angerufen, werde das aber bald tun, sagte Trump. "Das ist ein sehr ernstes Thema und wir sehen es uns ernsthaft an." Er betonte: "Wir werden herausfinden, was passiert ist." Konkreter wurde Trump nicht.

Trump gibt viel auf seine Allianz mit Saudi-Arabien. Der 33-jährige saudische Kronprinz Mohammed bin Salman pflegt besonders enge Beziehungen zu Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner.

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