Außergerichtliche Einigung vor Prozessbeginn

Kurz vor Prozess um Julens Tod: Beschuldigter akzeptiert Haftstrafe - und bleibt frei?

Workers collaborate in the setting up drilling machinery item as part of excavation works to rescue
Workers collaborate in the setting up drilling machinery item as part of excavation works to rescue
© imago/Agencia EFE, ALVARO CABRERA, imago stock&people

21. Januar 2020 - 9:01 Uhr

Malaga: Doch kein Prozess um den Tod des kleinen Julen (†2)?

Vor über einem Jahr stürzte der kleine Julen in einen Schacht und starb, am Dienstag sollte der Prozess beginnen. Doch nur einen Tag vor dem geplanten Beginn des Verfahrens gegen den Finca-Besitzer, auf dessen Grundstücke in Andalusien das Unglück vor einem Jahr passierte, haben sich Anklage und Verteidigung nach Medienberichten außergerichtlich geeinigt. Die am Ende vergebliche Rettungsaktion hatte über zwei Wochen gedauert, weltweit gab es viel Anteilnahme für Julen und seine Familie.

Im Video: Das Brunnen-Drama von Totalán

Beschuldigter akzeptiert Vorwurf - und bleibt auf Bewährung frei?

Der Beschuldigte habe sich bereiterklärt, den Vorwurf der fahrlässigen Tötung wegen schwerer Nachlässigkeit sowie eine Haftstrafe von einem Jahr zu akzeptieren, berichteten die Nachrichtenagentur "Europa Press" und andere spanische Medien am Montag unter Berufung auf Justizquellen. Zudem werde der Mann den Eltern eine Entschädigung zahlen.

Ins Gefängnis muss er allerdings wohl nicht: In Spanien werden Haftstrafen von bis zu zwei Jahren bei nicht vorbestraften Angeklagten so gut wie immer zur Bewährung ausgesetzt. Zeitungen sprachen von einer "unerwarteten Wende im Fall Julen. Der Pakt müsse aber noch vom Gericht abgesegnet werden.

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Eigentlich sollte das Verfahren in Málaga mit etwa 50 Zeugen am Dienstag starten. Die Staatsanwaltschaft wollte drei Jahre Haft fordern. Der Finca-Besitzer hatte das Loch auf der Suche nach Wasser illegal ausgehoben - in Spanien keine Seltenheit, wie unsere Reportage zeigt. Laut Anklage soll er der einzige gewesen sein, der von der Existenz des Brunnens wusste. Er deckte es weder ab, noch sicherte er den Bereich um das Bohrloch ab.