Außergewöhnlicher Fall bei „Der Lehrer“

Taub vor Trauer – gibt es das wirklich?

Große Trauer kann ein Trauma auslösen.
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2. Januar 2020 - 20:42 Uhr

Dr. Christoph Specht erklärt das Phänomen

Bei "Der Lehrer" kommt ein scheinbar gehörloser Junge neu an die Schule. Dann erfährt Lehrer Stefan, dass ein Trauma an der seltenen Erkrankung schuld sein soll. Durch die große psychische Belastung durch einen Trauerfall soll der junge Clemens sein Gehör verloren haben. Aber kann das wirklich sein? Wir haben bei Mediziner Dr. Christoph Specht nachgefragt.

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma meint meistens eine starke psychische Verletzung und tritt meistens nach einem außergewöhnlich belastenden Erlebnis auf. Ein Trauerfall, wie im Beispiel des Schülers Clemens bei "Der Lehrer" kann eine solche Extremsituation sein. Für unseren Körper bedeutet eine solche psychische Ausnahmesituation zunächst Stress und der kann sich ganz unterschiedlich auf unseren Körper auswirken.

Ein Hörverlust wie im Beispiel ist nicht zu verwechseln mit einem Hörsturz. Der tritt, ähnlich wie ein Tinnitus ebenfalls in Stresssituationen auf, ist aber deutlich häufiger und geht nach einiger Zeit ganz von alleine wieder weg. Die Ursache für die meist einseitige Hörminderung liegt dann im Innenohr und es klingt, als würde man durch Watte hören.

Kann man wirklich sein Gehör verlieren?

"Eine komplette Taubheit ist in einem solchen Fall extrem selten", erklärt Dr. Christoph Specht. "Ich habe von einem solchen Fall noch nie gehört." Dennoch sei eine deutliche Hörminderung durchaus möglich.

Wie genau es zu einer Hörminderung infolge eins Traumas kommt, ist nicht ganz geklärt. "Wahrscheinlich liegt die Ursache im Gehirn", erklärt Dr. Specht. Die Hörsignale aus dem Ohr können dann temporär nicht mehr richtig aufgenommen werden.

Es gibt beispielsweise auch psychogene Erblindung und auch da ist es so, dass mit dem Auge selbst alles in Ordnung ist, die Seheindrücke werden auf die Sehrinde weitergeleitet aber vom Gehirn nicht entsprechend verarbeitet werden können. Auch diese Auswirkung eines Traumas verschwindet in der Regel von alleine.

Wie wird diese Hörverminderung behandelt?

"In den meisten Fällen lässt das verminderte Hören nach ein paar Tagen wieder nach und das Hörempfinden funktioniert wieder so gut wie vorher", so der Mediziner. Sollte das nicht der Fall sein, ist ein solches Trauma ein Fall für einen Psychologen.

Eine Scheinbehandlung kann zu Erfolgen für den Patienten führen. Die funktioniert dann ähnlich wie ein Placebo-Medikament nur deshalb, weil der Patient glaubt, dass ihm geholfen wird. "Klassischerweise würde man aber eine Psychotherapie machen. Man müsste einfach den Grund behandeln und das ist in diesem Fall das Trauma", so Dr. Specht. Die Hörminderung kann aber auch von alleine wieder weggehen.

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