Eine-Million-Dollar-Kaution für Polizist Derek Chauvin

Minneapolis: Erste Anhörung im Fall Floyd

30. Juni 2020 - 13:21 Uhr

Erste Anhörung startet mit leichter Verspätung

Nach dem grausamen Tod des US-Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis hat am Montag die erste Anhörung des angeklagten Polizisten Derek Michael Chauvin mit leichter Verspätung begonnen. Chauvin, der Floyd bei einem Polizeieinsatz sein Knie mehr als acht Minuten in den Nacken drückte, muss sich vor dem Gericht in Minneapolis unter anderem wegen Totschlags und "Mordes zweiten Grades" verantworten. Dieser Mordtatbestand ist nicht mit dem deutschen gleichzusetzen, sondern stellt einen schwächeren Vorwurf dar. Auf zwei Gerichtssäle verteilt saßen rund 20 Journalisten. RTL war als einziges deutsches Medium vor Ort. Reporter Oliver Beckmeier saß mittendrin.

Derek Michael Chauvin im orangen Sträflingsanzug und in Handschellen vorgeführt

Security vor dem Eingang des Gerichtssaals.
Security vor dem Eingang des Gerichtssaals.
© RTL

Unter besonderen Corona-Vorkehrungen begann die erste Anhörung im Mord an George Floyd. Die Verhandlung wurde zur Wahrung des Abstands in den zweiten Gerichtssaal per Videoschalte übertragen. In ersten Gerichtssaal saßen die Richterin, der Verteidiger und die Staatsanwaltschaft. Fotos, Videos und Audioaufnahmen waren streng verboten. Ein enormes Aufkommen an Security-Personal kontrollierte dessen Einhaltung. Nach etwas Verspätung wurde der angeklagte Polizist Derek Michael Chauvin per Video aus dem Gefängnis zugeschaltet.

Chauvin saß am Ende eines langen Tisches, trug einen orangen Sträflingsanzug und Handschellen. Seine Arme lagen auf dem Tisch. Auf unseren Reporter Oliver Beckmeier wirkte er ruhig. Sein Gesicht und seine Körpersprache waren nicht zu erkennen. Seine Stimme war hingegen klar und deutlich, keineswegs zitternd. Zu Beginn der Verhandlung fragte die Richterin den Angeklagten, ob er sie verstehe. Die Antwort kam prompt: "Yes, ma´am." Danach forderte die Richterin ihn auf sich für das Protokoll vorzustellen. Seine Antwort lautete: "Derek Michael Chauvin".

Erste Reglementierungen für den angeklagten Polizisten

Foto des angeklagten Polizisten Derek Chauvin.
Foto des angeklagten Polizisten Derek Chauvin.
© AP

Anschließend widmete sich die Richterin der Festlegung der Kautionshöhe, ein übliches Prozedere für den ersten Verhandlungstermin. Die Kaution wurde schließlich auf eine Million Dollar gesetzt. Hinzu kamen für Chauvin folgende Auflagen: Bis zum Abschluss des Prozesses darf der Angeklagte nicht mehr als Sicherheitsangestellter arbeiten und damit seinem Beruf als Polizist zunächst nicht weiter nachgehen. Darüber hinaus darf er für die kommende Zeit den Staat Minnesota nicht verlassen und keinerlei Kontakt zu der Familie des Opfers aufnehmen. Auf die Frage der Richterin "Haben Sie verstanden, was das Kontaktverbot bedeutet?" antwortete Chauvin mit "ja". Außerdem muss Chauvin sämtliche Waffen abgeben, die sich in seinem Besitz befinden. Chauvin verwarte einige seiner Waffen legal bei sich zu Hause. In den USA ist die private Verwahrung von Waffen üblich. Sie werden nun zunächst von den Behörden beschlagnahmt. Mit diesen festgelegten Regularien endet die erste Anhörung im Fall George Floyd nach nur 15 Minuten. Zeitgleich zur ersten Anhörung fand in Houston (Texas) die Verabschiedung des Verstorbenen George Floyd vor seiner Beisetzung am Dienstag statt.