Erfinder will den Tod wieder sichtbarer machen

Fahrrad statt Leichenwagen: Oldenburger können sich zur letzten Ruhestätte radeln lassen

15. September 2020 - 19:17 Uhr

Lastenrad transportiert Särge zum Friedhof

Den Weg zum Friedhof legt man als Verstorbener normalerweise im Leichenwagen des Bestatters zurück. In Oldenburg gibt es jetzt aber noch eine andere Möglichkeit. Der Tüftler Michael Olsen hat ein altes Fahrrad so umgebaut, dass er damit nun einen Sarg transportieren kann. Ob leidenschaftlicher Radfahrer oder umweltbewusster Verstorbener – jeder der möchte, kann sich in der niedersächsischen Stadt nun per Fahrrad zu seiner letzten Ruhestätte bringen lassen. Wie das Ganze aussieht, zeigen wir im Video.

Nachhaltige letzte Reise für Verstorbene

Auf einer Lastenfläche vor dem Lenker zurrt Olsen seine ungewöhnliche Fracht fest. Der Erfinder arbeitet mit einer Bestatterin vor Ort zusammen. Statt des dunklen Leichenwagens können trauernde Angehörige bei Ellen Matzdorf auch das Sarg-Fahrrad bestellen. Und die Nachfrage wächst. "Es ist nachhaltiger und ressourcenschonend", erklärt die Bestatterin. Wer also sein ganzes Leben lang überzeugter Radfahrer war, muss nun im Tod auch nicht mehr auf ein Auto ausweichen.

Olsen kam auf die Idee zu dem Projekt, als seine Mutter starb. Er baute ein altes Lastenrad so um, dass sich damit nun problemlos ein Sarg transportieren lässt. Der 60-Jährige will damit den Tod und das Sterben zurück ins Bewusstsein der Gesellschaft holen. Statt Verstorbene nahezu unsichtbar zum Friedhof zu transportieren, möchte Olsen sie öffentlich durch die Stadt fahren. "Sterben ist viel selbstverständlicher als das Leben", meint der Fahrrad-Leichenwagen-Erfinder. Darum möchte er, dass das Sterben sichtbar für alle stattfindet – wenn nötig auch mit einem Sarg auf dem Lastenrad im Straßenverkehr.