Fahrlässige Tötung: Anklage gegen Autofahrer angeordnet

Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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07. Mai 2020 - 13:44 Uhr

Nach dem Unfalltod von zwei Motorradfahrern muss sich ein 49 Jahre alter Mann wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Das teilte die Sprecherin des Oberlandesgerichts Oldenburg am Donnerstag mit. Demnach ordnete das Gericht an, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt. Diese hatte das Verfahren zunächst eingestellt.

Der Autofahrer hatte die beiden ihm entgegenkommenden Biker im Oktober 2018 den Angaben zufolge wegen der tiefstehenden Abendsonne übersehen, als er mit seinem Wagen links abbog. Die Männer im Alter von 63 und 53 Jahren waren auf der Stelle tot. Der Autofahrer erlitt bei dem Unfall im Landkreis Vechta einen Schock. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren zunächst ein und begründete das damit, dass der Fahrer gegen die tiefstehende Sonne blicken musste. Der Unfall sei unvermeidbar gewesen.

Die Hinterbliebenen legten dagegen Beschwerde ein. Die Generalstaatsanwaltschaft lehnte eine Änderung ab. Dem Autofahrer könne kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden, hieß es. Die Richter des 1. Strafsenats des Oberlandesgerichts sahen dies anders. Man dürfe nicht einfach ohne Sichtmöglichkeit weiterfahren, ohne eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Wenn es nicht anders gehe, müsse man so lange warten, bis man wieder richtig sehen könne, was vor einem sei. Aus Sicht der Richter hätte der Mann vor dem Abbiegen am Straßenrand anhalten können, bis sich seine Augen an die Blendung gewöhnt hätten. Die Entscheidung ist rechtskräftig, die Oldenburger Staatsanwaltschaft muss nun Anklage erheben.

Quelle: DPA