Fachtagung: Handynutzung von Jugendlichen nicht verteufeln

24. Januar 2020 - 16:00 Uhr

Auf einer Fachveranstaltung für Pädagogen und Sozialarbeiter haben Teilnehmer davor gewarnt, den Umgang junger Menschen mit ihren Smartphones zu verteufeln. Es sei falsch, Jugendlichen vorzuwerfen, dass sie sehr oft an ihrem Handy hingen, erklärte ein Mitarbeiter des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien. "Das ist die erste Generation, die komplett mit dem Smartphone aufgewachsen ist", sagte er am Freitag in Erfurt auf einer Tagung der Evangelischen Akademie unter dem Titel "Eine Generation meldet sich zu Wort".

Zwar würden sich junge Leute häufig in Filterblasen bewegen - etwa in sozialen Netzwerken. Allerdings könnten die jungen Menschen mit ihren Smartphones auch zu jeder Zeit Fakten überprüfen, die ihnen zum Beispiel von Erwachsenen als solche präsentiert würden. Diese Möglichkeit hätten frühere Generationen nicht gehabt.

Auch andere Teilnehmer der Tagung plädierten dafür, die Handynutzung von Kindern und Jugendlichen in den zeitgenössischen Kontext zu setzen. So erklärte ein Pädagoge, der an einer Thüringer Schule arbeitet, er pendele jeden Tag mit dem Zug zwischen zwei Städten. Von den dann mit ihm reisenden Erwachsenen würden 90 Prozent auf ihr Handy starren. Unter diesen Umständen könne man jungen Menschen nicht vorwerfen, sie würden viel häufiger als Ältere am Handy hängen. Auf der Tagung wurde auch deutlich, dass viele junge Menschen heute zwar einerseits politisch stark interessiert, aber auch anfällig für populistische Positionen sind. Zu diesem Ergebnis war auch die im vergangenen Jahr vorgestellte 18. Shell-Jugendstudie gekommen. Demnach sehen sich acht Prozent der jungen Menschen in Deutschland als stark politisch interessiert. Weitere 33 Prozent beschreiben sich als politisch interessiert. Dabei gebe es aber ein starkes Bildungsgefälle, schreiben die Forscher in der Zusammenfassung der Studie. "Jeder zweite Jugendliche, der das Abitur anstrebt oder erreicht hat, bezeichnet sich als politisch interessiert. Bei Jugendlichen mit angestrebtem oder erreichtem Hauptschulabschluss trifft dies hingegen nur auf jeden vierten zu." Die Studie geht der Frage nach, wie die Generation der 12- bis 25-Jährigen heute in Deutschland aufwächst. Eine Pädagogin des gewerkschaftsnahen Bildungsträgers "Arbeit und Leben Thüringen" sagte, nach ihrer Erfahrung würden Jugendliche heute zwar häufig starke politische Positionen vertreten. Sie könnten diese Positionen oft aber nicht begründen oder es fehle ihnen das Hintergrundwissen für das komplexe Zusammenspiel zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen - etwa dazu, wie Medien funktionieren oder warum Menschen aus bestimmten Teilen der Welt flüchten.

Quelle: DPA