9. Juni 2012 - 12:42 Uhr

"Wir speichern Daten so lange, wie es erforderlich ist"

Facebook bittet um die 'Mithilfe' seiner Nutzer – es geht um nichts weniger als die nächste Version der Datenverwendungs-Richtlinie. Das Netzwerk hat jetzt einen Entwurf veröffentlicht und bittet die Nutzer um Feedback – allerdings eher im kleinen Kreis. Denn nur wer 'Fan' der Seite 'Facebook Site Governance' ist, wird überhaupt auf die Möglichkeit hingewiesen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die Nutzungsbedingungen und die Datenverwendungsrichtlinien sind ein sensibler Punkt für das die Onlinewelt beherrschende Netzwerk. In der Vergangenheit gab es immer wieder Streit mit Datenschützern und der Politik, vor allem in Deutschland. Die Nutzer können die Vorschläge bis zum 18. Mai kommentieren und können so möglicherweise Einfluss auf deren Änderung nehmen.

"Wir hören genau auf deine Ratschläge; gemeinsam können wir Facebook zu der von uns gewünschten Gemeinschaft machen", schreibt Facebook in seiner Erklärung zu der Möglichkeit, die Meinung Kund zu tun. Die bisherigen Anmerkungen der Nutzer dürften allerdings weit von den Vorstellungen Facebooks abweichen. Kernpunkt der bisherigen Nutzerforderungen ist, dass nach dem Löschen eines Nutzerprofils tatsächlich alle mit dem Profil zusammenhängenden Daten gelöscht werden.

Darauf wird sich Facebook kaum einlassen. Eine wesentliche Neuerung ist sogar, dass einige Informationen länger als bisher gespeichert werden könnten. "Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden", heißt es in dem deutschen Erklärtext von Facebook. Unter anderem Daten, die Facebook von Werbepartnern oder Spiele-Anbietern bekommt, können damit in einigen Fällen länger als die bisherigen 180 Tage aufbewahrt werden.

Anpassung als Reaktion auf Datenschutz-Kritik

Zur neuen Richtlinie wird zudem erstmals sehr ausführlich dargestellt, welche Informationen Facebook über sogenannte Cookies bekommt - kleine Dateien, die Websites im Browser ablegen, um Nutzer wiederzuerkennen. Über die Verwendung von Cookies durch Facebook hatte es immer wieder zum Teil heftige Diskussionen mit Datenschützern gegeben.

Die Änderungen gehen zum Teil auf die Ergebnisse der Prüfung durch die irische Datenschutzbehörde zurück, die einige Verbesserungen in den Datenschutzrichtlinien angemahnt hatte, erklärte Facebook. So wurden viele Erläuterungen deutlich ausgebaut. Zum anderen sind seit der vergangenen Aktualisierung neue Dienste und Bezeichnungen hinzugekommen – wie die Umstellung von der normalen Profilansicht auf die neue 'Timeline'.

In einem 14-seitigen Dokument wurden die alten und neuen Passagen zumindest auf Englisch zusammengeführt. Facebook bekräftigt, dass Werbepartner Informationen von Nutzern nach wie vor nur anonymisiert erhalten. Zugleich werden die Mitglieder nun ausdrücklich darauf hingewiesen, dass einige Informationen auch im System bleiben können, wenn sie ihr Facebook-Konto löschen - wie etwa Nachrichten, die sie ihren Freunden geschickt haben. Außerdem warnt Facebook, dass andere Nutzer Kopien von ihnen zugänglichen Daten wie etwa Bildern anfertigen können, über die man dann keine Kontrolle mehr habe.

"Sie sollten deswegen Informationen nur mit Leuten teilen, denen Sie vertrauen", betont Facebook jetzt in der Richtlinie. Genauso hält es anscheinend Facebook auch selbst: Die Information über die angebliche Mitbestimmung an der Richtlinie wird nicht allen Nutzern aufgezeigt – was technisch wohl kaum ein Problem wäre – sondern nur denjenigen, die sich mit der Seite 'Facebook Site Governance' verbunden haben. Über den Link in der Mitte erreichen Sie die Seite, auf der Sie die neuen Bedingungen kommentieren können.