15. Dezember 2011 - 18:02 Uhr

'Timeline' soll alle Nutzer-Aktivitäten bündeln

Die Welt rückt noch näher zusammen an einem Ort, wo sich ohnehin schon 750 Millionen Mitglieder tummeln: Facebook plant, zum Lebensarchiv seiner User zu werden. Ob sie essen, einen Film schauen oder Musik hören: Alle sollen ihren Freunden mitteilen, was sie gerade beschäftigt. Für Datenschützer ist der Plan von Mark Zuckerberg beängstigend.

Facebook plant Änderungen
Facebook soll zentrales Lebensarchiv all seiner Nutzer werden und bringt Datenschützer gegen sich auf.
© REUTERS, ROBERT GALBRAITH

Der Facebook-Gründer hat sich zum Ziel gesetzt, alle wichtigen Aktivitäten in seinem Online-Netzwerk zu bündeln: "So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite." Möglich machen das die überarbeiteten Profile, mit denen die Nutzer in der sogenannten 'Timeline' alle wichtigen Dinge aus ihrem Leben in einem Magazin-artigen Layout anzeigen können.

Dieses "bunte Tagebuch" soll zukünftig Fotos, Musik- und Filmtipps oder sonstige multimediale Inhalte abbilden. In Echtzeit werden die Meldungen in dem neu eingerichteten Tickerfenster erscheinen - und nichts soll je verfallen oder gelöscht werden. "Es ist eine tolle Art, zu entdecken, was andere Leute in ihrem Leben alles gemacht haben", erklärt Zuckerberg.

Dutzende Musikdienste, Online-Videotheken und Websites von Medienunternehmen kooperieren mit Facebook, darunter bekannte Namen wie Spotify, Netflix und das Wall Street Journal. Sie können sich in dem sozialen Netzwerk einklinken und angeben, wer welches Lied gerade hört, Filmtipps weitergeben oder gelesene Artikel anzeigen.

Datenschützer: "Ende der Privatsphäre"

Für Datenschützer sind die angekündigten Neuerungen Anlass zu einer neuen Datenschutz-Debatte. Vom "Ende der Privatsphäre" sprachen erste Twitter-Meldungen. Facebook versprach jedoch, dass Nutzer weiterhin die Kontrolle darüber behalten können, was ihr Netzwerk über sie erfährt.

Ob diese Kritik berechtigt sei, hänge stark von der Umsetzung der neuen Funktionen ab, sagte der Social-Media-Experte Michael Gartenberg: "Es ist noch zu früh, um das zu bewerten. Facebook hat mittlerweile gelernt, dass sie in diesem Bereich vorsichtig sein müssen. " Entscheidend sei die Frage, ob das Unternehmen die Informationen standardmäßig veröffentliche oder die Nutzer erst zustimmen müssten.

Zumindest eines ist sicher: Facebook will seine Nutzer noch weiter an sich binden und im Konkurrenzkampf mit dem sozialen Netzwerk Google+ weiterhin die populärere Adresse bleiben. Während Google seinen Mitgliedern mit seinen neuesten Änderungen hilft, den Empfängerkreis von Informationen einzuschränken, möchte Facebook noch weiter in das Leben der Menschen eindringen.

"Die Idee dahinter ist, dass die Nutzer mehr und mehr Zeit auf Facebook verbringen und dessen Dienste nutzen", sagte Gartenberg. Der amerikanische Journalismus-Dozent und Blogger Jeff Jarvis geht sogar noch einen Schritt weiter und schreibt, dass Facebook es unmöglich mache, sich von der Plattform abzumelden: "Man verliert sein Leben."