Facebook will vor staatlichen Hackerangriffen warnen: PR-Masche oder ehrlicher Schutz-Versuch?

Facebook befindet sich immer wieder im Visier von Datenschützern
© dpa, Jens Büttner

18. Januar 2016 - 18:31 Uhr

Facebook will vor staatlichen Hackerangriffen warnen: PR-Masche oder ehrlicher Schutz-Versuch?

Das soziale Netzwerk Facebook geriet in den vergangen Wochen oft in die Kritik: Nutzer-Daten seien unsicher, Volksverhetzung sei begünstigt und Nutzerverhalten werde für Werbezwecke verarbeitet und verkauft. Die neueste Meldung überrascht deshalb umso mehr: Facebook will seine Nutzer zukünftig via zwei-Phasen-Login vor Angriffen aus der Regierung schützen.

Die Meldung klingt beinahe wie ein schlechter Scherz. Der Social-Media-Riese verlor vor knapp drei Wochen noch einen Prozess, in dem das Abkommen über die Übermittlung von Nutzerdaten (Safe Harbour) in die USA außer Kraft gesetzt wurde. Die Nutzerdaten seien auf amerikanischen Servern nicht ausreichend geschützt, entschied der Europäische Gerichtshof. Nun will Facebook seine Nutzer vor staatlichen Hackerangriffen warnen - gibt aber immer noch auf Nachfrage Daten an den US-Amerikanischen Geheimdienst NSA weiter.

Facebook will seinen Mitgliedern ab sofort Nachrichten schicken, wenn staatliche Hacker versuchen, sich in deren Account zu hacken. Via SMS wird der Betroffene unmittelbar informiert und muss sich daraufhin mithilfe eines zwei-Phasen-Logins authentifizieren um wieder auf seinen Facebook-Account zugreifen zu können. Hierfür wird nach dem Versuch, sich in seinen Account einzuloggen ein Sicherheitscode an das Telefon des Nutzers gesendet. Nur mit diesem Code kann dann auf den Account zugegriffen werden. Woher Facebook weiß, welche Nutzerdaten von wem angegriffen werden, will das Unternehmen bislang nicht verraten.

Warnung nur bei Angabe der Handynummer

Ein fader Beigeschmack: Nutzer müssen für diese Sicherheit ihre Mobilfunknummer an Facebook übermitteln, wodurch man wiederum wichtige Daten preisgibt. Mit der Handynummer könnten dann zum Beispiel Telefongespräche und Nachrichtenverläufe aufgezeichnet und gespeichert, sowie Smartphone-Kameras ein- und ausgeschaltet werden.

Da Facebook dazu verpflichtet ist, den Behörden auf Anfrage Nutzerdaten für polizeiliche Ermittlungen auszuhändigen, kommen diese über die Handynummer noch schneller an viele private Daten der Nutzer.

Momentan laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Facebook: Wegen vorsätzlicher Beihilfe zur Volksverhetzung. Die Ermittlungen sind ein Sinnbild für den sehr lockeren Umgang von Facebook mit rassistischen und verhetzenden Posts von Nutzern.