"Stop Hate for Profit"-Kampagne

Facebook unter Druck: Konzerne stoppen Werbeanzeigen

Mark Zuckerberg
© imago/IP3press, Christophe Morin, imago stock&people

10. Juli 2020 - 14:42 Uhr

Werbeboykott auf Facebook

Es sind herbe Rückschläge, mit denen Facebook aktuell zu kämpfen hat. Großkonzerne wie Adidas, Audi und Starbucks ziehen ihre Werbeanzeigen zurück. Und die Liste ist lang: Ein Google-Dokument mit dem Titel "Bestätigte Liste der #StopHateforProfit-Werbekunden" umfasste am 10. Juli um 12:00 Uhr 1.033 Unternehmen, die keine Anzeigen mehr auf der größten Kommunikationsplattform der Welt buchen wollen.

"Stop Hate for Profit": Eine Kampagne gegen Hass im Netz

Der Vorwurf: Facebook lässt sich seit Jahren von Hasspredigern und Rassisten missbrauchen. Gegenmaßnahmen werden nicht ergriffen – trotz eines Jahresumsatzes von mehr als 70 Milliarden Dollar.

Dem will die Kampagne "Stop Hate for Profit" ein Ende setzen. Ihr Ziel: Unternehmen davon zu überzeugen, ihr Werbebudget im Juli umzuverteilen. Denn nur durch einen Werbeboykott kann Mark Zuckerberg gezwungen werden, endlich konkrete Maßnahmen zum Schutz der Bürgerrechte seiner Nutzer zu ergreifen. Hinter der Aktion stecken Bürgerrechtsorganisation wie "Anti-Defamation-League" und "Color of Change" sowie die "Mozilla Foundation". 

"Mark Zuckerberg verhält sich wie ein Mann, der nicht bedacht hat, wie er später mal in den Geschichtsbüchern beurteilt wird“

Sheryl Sandberg
Sheryl Sandberg
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Doch das Vorhaben ist alles andere als leicht. "Das größte Hindernis ist in dieser Phase Facebook selbst. Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg trafen sich Anfang dieser Woche mit unseren Koalitionspartnern und das Treffen ließ einiges zu wünschen übrig: Leider brachte Facebook lediglich dieselben Gesprächspunkte wie schon in der Vergangenheit vor und wollte sich nicht zu weitreichenden Änderungen verpflichten, die helfen können, Hassrede und Desinformation zu verhindern", sagt Jon Lloyd, Director of Campaigns bei der Mozilla-Stiftung, im Interview mit RTL.de. Die "Mozilla Foundation" sowie die "Mozilla Corporation" haben nach dem "Cambridge Analytical"-Skandal im Jahr 2018 bereits jegliche Werbeaktivitäten auf Facebook und Instagram eingestellt. "Wir wollten kein Unternehmen unterstützen, das die Privatsphäre seiner Nutzer nicht respektiert", erklärt Lloyd.

Das Problem: Mark Zuckerberg "verhält sich wie ein Mann, der nicht bedacht hat, wie er später mal in den Geschichtsbüchern beurteilt wird", gibt Lloyd zu bedenken.

Prinz Harry & Herzogin Meghan unterstützen "Stop Hate for Profit"

Herzogin Meghan und Prinz Harry
Herzogin Meghan und Prinz Harry
© dpa, Chris Jackson, sab kde sab hjb wst

Zahlreiche Facebook-User sind von der "Stop Hate for Profit"-Kampagne begeistert, unter dem Hashtag #stophateforprofit rufen Tausende Menschen ihre Lieblingsmarken via Twitter dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen. "Es ist verständlich, dass Menschen den Gedanken nicht mögen, durch ihre täglichen Einkäufe womöglich ungewollt extremistische Standpunkte zu unterstützen", erklärt Jon Lloyd. Sogar Prinz Harry und Herzogin Meghan unterstützen die Kampagne gegen Hass im Netz.

Wegen Facebooks Empfehlungsalgorithmen: Beitritte zu extremistischen Gruppen

Die Auswirkungen der Algorithmen sind fatal. "Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Wall Street Journals gehen 64% aller Beitritte zu extremistischen Gruppen auf Facebooks Empfehlungsalgorithmen zurück", sagt Jon Lloyd. Eine erschreckende Zahl – doch Facebook scheint sich davon nicht großartig beeindrucken zu lassen.

"Wir hoffen, dass Facebook auf die Koalition hört und konkrete Änderungen vornimmt, um all seine Nutzer vor hasserfüllten Inhalten zu schützen", erklärt Lloyd. "Die Koalition hat zehn konkrete Forderungen an Facebook gestellt, doch bis jetzt will sich Facebook auf keine davon festlegen."

Mit Maßnahmen gegen Desinformation & Hassrede können US-Wahlen fairer werden

Donald Trump
Donald Trump
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So lange das so bleibt, ermutigt die Mozilla-Stiftung die User, "anstößige Inhalte zu melden und die Polizei (...) auf konkrete Aufrufe zu Gewalt hinzuweisen." Denn "wenn es uns gelingt, Facebook und anderen sozialen Medienplattformen dabei zu helfen, konkrete Maßnahmen gegen Desinformation und Hassrede zu ergreifen, sollten wir dazu beitragen können, dass die Wahlen (Anm. d. Red.: Die Wahlen in den USA finden im November statt) fairer und demokratischer ablaufen."

Von Annkristin Engelbrecht