2016 M07 8 - 15:05 Uhr

Diese Statusmeldung können Sie sich sparen

"Wenns sogar im Radio kommt, erkläre hiermit Folgendes" - so beginnt der ominöse Kettenbrief, der gerade schon wieder bei Facebook die Runde macht. Alternativ beginnt er auch schon mal mit den Worten: "Es kam gerade ein Bericht im Fernsehen darüber!", um Seriosität zu vermitteln. Wer diesen Text kopiert und als Statusmeldung postet, soll damit angeblich automatisch den neuen Facebook-Richtlinien widersprechen. Allerdings können Sie sich die Kopieraktion gleich sparen. Und zwar aus mehreren Gründen.

Grund 1: Es gibt gar keine neuen Facebook-Richtlinien

Facebook hat seine Richtlinien in letzter Zeit gar nicht geändert. Prüfen kann das jeder ganz schnell und einfach unter dem Reiter 'Impressum/Nutzungsbedingungen', den man bei Facebook unten auf der Startseite findet. In der mobilen Version finden man die Richtlinien über den Menüpunkt 'Hilfe und Unterstützung'. Dort steht, dass die Nutzungsbedingungen das letzte Mal im Januar 2015 geändert wurden.

Grund 2: Daten lassen sich nicht durch eine Statusmeldung schützen

Wer sich für ein Facebook-Profil entscheidet und damit Teil des sozialen Netzwerkes wird, stimmt bei der Anmeldung den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Plattform zu. Dort ist festgelegt, welche Zugriffsrechte Facebook im Zusammenhang mit Daten, Texten und Fotos hat. Nachträglich verändern lassen sich nur die Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer - wer den Nutzungsbedingungen von Facebook bei der Anmeldung also einmal zugestimmt hat, kann sich danach nur noch schützen, indem er sein Profil einfach wieder löscht.

Grund 3: Der Text beruft sich auf Gesetzesartikel, die völlig zusammenhanglos sind

"Gemäß den Artikeln I. 111, 112 und 113 des Strafgesetzbuchs, geistiges Eigentum, erkläre ich, dass meine Rechte an allen meinen persönlichen Daten, Zeichnungen, Bilder, Texte etc… nur bei mir liegen", heißt es im Kettenbrief weiter. Das Problem: Das angesprochene Strafgesetzbuch ist erstens völlig anders aufgebaut, nämlich in Paragraphen statt Artikeln. Zweitens wird geistiges Eigentum an einer ganz anderen Stelle thematisiert - Der Paragraph 113 handelt zum Beispiel von "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte".

Ein paar Zeilen weiter beruft sich der Verfasser auf das 'Statut von Rom' und den 'Uniform Commercial Code': "Die Verletzung von meinem Privatleben wird bestraft unter Berücksichtigung des Gesetzes (UCC 1-308 1-308 1-103 und dem Statut von Rom)", heißt es - auch diese beiden angeblichen Gesetzestexte sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Bedeutung für deutsche Facebook-Nutzer.

Bei dem Rom-Statut handelt es sich nämlich eigentlich um einen völkerrechtlichen Vertrag, durch den der internationale Gerichtshof die Bestrafung und Verhinderung von Kriegsverbrechen, das Verbrechen der Aggression, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit regeln soll. 'UCC' ist die Abkürzung für den 'Uniform Commercial Code', ein Gesetzesentwurf, der das Handelsrecht in den USA regelt.

Das hilft wirklich, um die Privatsphäre zu schützen

Auch andere Schlaumeier haben schon Kettenbriefe aufgesetzt, mit denen man durch das Posten angeblich verhindern kann, dass private Daten aus dem eigenen Profil durch Facebook weiter genutzt werden. Ein weiterer oft genutzter Kettenbrief beginnt wie folgt: "Frist morgen !!!

Alles, was du je veröffentlicht hast, wird von morgen an die Öffentlichkeit. Sogar Nachrichten, die gelöscht wurden oder die Fotos nicht erlaubt sind. Es kostet nichts für eine einfache Kopie und Paste, besser sicher als Nachsicht" - aber auch dieser Kettenbrief löst außer genervte Facebook-Freunde gar nichts aus. Sogar Facebook hat schon auf die Kettenbriefe reagiert und klar gestellt, dass diese bedeutungslos sind und man über seine Privat- und App-Einstellungen bei Facebook regeln kann, was mit seinen Daten passiert.

Das Zitieren von dubiosen Gesetzestexten wie "UCC 1-308-1 1 308-103" oder die Erwähnung des Rom-Statuts sollten für Sie immer ein Signal dafür sein, dass es sich bei den Meldungen um Fakes handelt und sie unseriös sind. Ignorieren Sie solche Posts einfach. Jeder Nutzer hat selbst in der Hand, welche privaten Daten Facebook bekommt. Er sollte nur gewissenhaft darüber entscheiden, ob es überhaupt nötig ist, bestimmte Fotos oder Texte bei Facebook hochzuladen. Wo nichts ist, kann auch nicht werden! Ein anderer Tipp wäre, sich im Internet erst einmal über Kettenbriefe oder angebliche Gesetzestexte zu informieren, bevor man sie postet!