8. Juni 2012 - 20:40 Uhr

Investoren reißen sich um Aktie

Weil Facebook das Maximum aus seinem Börsengang herausholen will und die Nachfrage stetig steigt, bietet das weltgrößte soziale Netzwerk 25 Prozent mehr Aktien an als bislang geplant. Außerdem gibt es eine Preiserhöhung.

Facebook-Aktie, Börsengang
Wegen der großen Nachfrage bietet das soziale Netzwerk 25 Prozent mehr Aktien an als geplant.
© dpa, Emily Wabitsch

Damit kommt die Erstemission (IPO) der Superlative am Freitag auf ein Volumen von 16 Milliarden Dollar und somit in die Top Ten der größten IPOs. Die Anteilsscheine wurden vor Börsenstart für 38 Dollar angeboten statt der zuvor vorgesehenen 28 bis 35 Dollar.

An die Anleger gebracht werden sollen nun rund 421 Millionen Aktien, 84 Millionen mehr als bislang angestrebt, wie Facebook in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht erklärte. Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO mit einem Stimmrechtsanteil von 57,5 Prozent Mehrheitseigner.

Facebook ohne wirkliche Strategie?

Unter den Technologieunternehmen steht Facebook für den mit Abstand größten IPO aller Zeiten. Der US-Internetgigant Google etwa erzielte 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar. Die Nummer eins ist - bis zum geplanten Handelsstart von Facebook am Freitag - noch der deutsche Chipkonzern Infineon, der Thomson-Reuters-Daten zufolge mit seinem Marktdebüt im Jahr 2000 5,9 Milliarden Dollar erlöste. Branchenübergreifend ist der Facebook-IPO der zehntgrößte überhaupt. Hierzulande liegt nur der frühere Staatsmonopolist Deutsche Telekom vor Facebook. In der IPO-Rangliste der USA steht das erst vor acht Jahren gegründete Unternehmen hinter General Motors (GM) und Visa an dritter Stelle.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Auch mit dem angepeilten Börsenwert deklassiert Facebook die anderen Technologiegrößen. Mit 93 bis 104 Milliarden Dollar wäre das Online-Portal mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen.

Der Rummel um Facebook sorgt unter Finanzmarkt-Experten für Staunen und Befremden zugleich. "Das ist mehr ein Spektakel, ein Medienereignis und ein kulturhistorischer Augenblick, als es ein IPO ist", sagte Analyst Max Wolff von GreenCrest Capital. Geschäftsmodelle und -daten spielten mittlerweile kaum eine Rolle mehr. Wolff erwartet, dass die Facebook-Aktie beim Debüt an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq etwa zehn Prozent zulegt.

Skeptische Investoren fragen sich, wie Facebook längerfristig die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann. Ihrer Einschätzung zufolge hat das Unternehmen bisher keine Strategie aufgezeigt, wie es aus der wachsenden Zahl an Nutzern Kapital schlagen kann, die über mobile Geräte auf Facebook zugreifen. Außerdem hat sich das Umsatzwachstum aus dem zentralen Geschäft mit Online-Anzeigen in den vergangenen Monaten verlangsamt. Wasser in den Wein goss - ausgerechnet kurz vor dem IPO - nun auch GM. Der US-Autobauer kündigte an, künftig keine Werbung mehr über Facebook zu schalten. Die Opel-Mutter hält offenbar die Erfolgsaussichten der Werbung bei Facebook für zu gering. "Das wird die Nachfrage nach dem IPO wahrscheinlich nicht wesentlich beeinträchtigen", sagte Analyst Brian Wieser von Pivotal Research Group. Das Vorgehen von GM müsse nicht repräsentativ für die Mehrheit der Anzeigenkunden sein.