"Facebook-Mord" in Ohio - Mark Zuckerberg verspricht Besserung

22. April 2017 - 11:13 Uhr

Facebook wegen Gewaltvideos nicht zum ersten Mal in Kritik

Der sogenannte "Facebook-Mörder", Steve S., hat sich auf der Flucht erschossen. Offen bleibt, warum er gerade den Rentner, Robert Godwin, auf offener Straße erschoss. Und auch Facebook muss sich offenen Fragen stellen: Wie will das Unternehmen künftig mit live gestreamten Gewaltvideos auf der eigenen Plattform umgehen? Schließlich ist das tragische Ereignis nicht der erste Fall.

Rund 22.000 Menschen sahen den Mord

A man who identified himself as Stevie Steve is seen in a combination of stills from a video he broadcast of himself on Facebook in Cleveland, Ohio, U.S. April 16, 2017.
Steve S. (37) aus Ohio filmte sich während der Tat selbst.
© REUTERS, HANDOUT, CLH/XG

Drei Tage lang war Steve S. auf der Flucht. Angestellte einer Fastfood-Kette hatten den Flüchtigen am Dienstag erkannt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd mit der Polizei erschoss sich Steve S. schließlich selbst. 

Am Ostersonntag hatte der 37-Jährige ein Video auf Facebook online gestellt, in dem der Mord an den 74-jährigen ebenfalls afro-amerikanischen Rentner zu sehen war. Erst nach zwei Stunden löschte Facebook das Profil des Täters. In der Zeit hatten bereits rund 22.000 Menschen die Tat gesehen, 12.000 Mal wurde das Video geteilt.

"Wir haben eine Menge Arbeit vor uns"

Nicht zum ersten Mal gerät Facebook wegen solch ungefilterter in die Öffentlichkeit gestellten Gewalttaten in die Schlagzeilen. Erst Anfang dieses Jahres beispielsweise streamte eine Gruppe Jugendlicher aus Schweden eine Vergewaltigung live in das soziale Netzwerk. Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte nun bei einer Konferenz in Kalifornien, dass das Unternehmen im Umgang mit Gewaltvideos noch viel zu tun habe: "In Gedanken sind wir bei der Familie und den Freunden von Robert Godwin. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns und werden alles tun, was wir können, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern." Wie genau er die Verbreitung von Gewalt aber verhindern will, konnte er nicht sagen. 

Täglich werden Millionen von Videos auf Facebook hochgeladen. Bisher ist das soziale Netzwerk auf die Mithilfe seiner rund zwei Milliarden Nutzer bei der Kontrolle angewiesen. Diese können inakzeptable Videos melden. Erst dann überprüfen Mitarbeiter der Firma, ob das jeweilige Video gesperrt wird oder nicht. So geschehen auch in dem Fall vom Wochenende. Allerdings vergingen etwa anderthalb Stunden bis der erste Hinweis auf das Mordvideo bei Facebook einging.