14. Juli 2012 - 15:15 Uhr

Pseudonyme unerwünscht

Facebook will Transparenz. Da passen dem US-Konzern Phantasie-Namen, die viele User nutzen, überhaupt nicht in den Kram. Konsequenz: Das Soziale Netzwerk setzt nun User zum Verpetzen der eigenen Freunde an.

"Ist das der echte Name deines Freundes?" Einige Mitglieder, bei denen die Frage bereits aufgepoppt ist, haben Screenshots ins Netz geladen (siehe Artikelbild). Angeblich sei es alles aber nur ein Test, mit dessen Hilfe man Fake-Profilen ein Ende bereiten will. Außerdem bleibe die Antwort anonym und habe keinen Einfluss auf das Profil des Freundes, sagt der US-Konzern.

"Anonymität im Internet muss verschwinden."

Doch warum will der Internetriese unbedingt die vollen Namen? Schließlich haben viele User guten Grund, sich nicht Jedermann zu präsentieren – ob aus Sorge um den Datenschutz oder Angst vor Kriminellen. Facebook will zu einem internationalen Melderegister werden. Alles soll echt werden, alles andere ist inakzeptabel, schreibt 'Spiegel online'.

Und so wird der User zum Spitzel, um dem US-Konzern zu melden, ob sich ein Freund verdächtig verhält und ein Pseudonym benutzt. Fliegt man auf oder wird zumindest verdächtigt, dass man nicht seinen echten Namen verwendet, sperrt Facebook das Profil und gibt es erst dann wieder frei, wenn man sich durch seinen Personalausweis identifizieren konnte.

Dass sich so die Gefahr für die Nutzer erhöht, Opfer eines Verbrechens zu werden, muss offenbar in Kauf genommen werden. Doch statt die User zu schützen, will der US-Konzern an die Daten, um sein Register zu optimieren. Dazu passt, was Randi Zuckerberg, Ex-Managerin bei Facebook, Mitte 2011 forderte: "Anonymität im Internet muss verschwinden."