Facebook-Datenskandal: Deutlich mehr Betroffene als gedacht

12. April 2018 - 16:12 Uhr

Cambridge Analytica gelangte an bis zu 87 Millionen Nutzerdaten

Facebook rückt im massiven Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica mit konkreten Zahlen raus - und diese liegen deutlich höher als bisher gedacht. 87 Millionen Nutzer könnten betroffen sein, zuletzt war stets von rund 50 Millionen die Rede. Das gab der Konzern in einer Pressemitteilung bekannt. Aus Deutschland seien die Daten von etwa 310.000 Facebook-Mitgliedern weitergegeben worden.

Cambridge Analytica bestreitet Ausmaß des Skandals

Der Daten-Missbrauch soll laut Facebook vor allem User aus den USA betreffen. Das Unternehmen geht davon aus, dass von dort 70 Millionen Datensätze an die Analysefirma Cambridge Analytica gegangen sind. Bei der britischen Datenanalysefirma erklärte man unterdessen, man habe von einem App-Entwickler nur Daten zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Diese seien jedoch nicht dafür genutzt worden, den US-Wahlkampf zu beeinflussen.

Cambridge Analytica wird vorgeworfen, die Kampagne von Donald Trump unterstützt zu haben und personalisierte Anzeigen geschaltet zu haben. Britische und amerikanische Behörden ermitteln deswegen. Gesammelt wurden die Nutzerdaten über eine Umfrage-App. Daran hätten aus Deutschland laut Facebook lediglich 65 User teilgenommen. Die Zahl von bis zu 310.000 deutschen Betroffenen ergibt sich, weil auch die Daten von Freunden der Umfrage-Teilnehmer weitergegeben wurden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird vor US-Kongress aussagen

Facebook wusste seit 2015 von dem Daten-Missbrauch und gab den Usern nicht früher Bescheid. In Zukunft will der Konzern Apps und ihren Zugriff auf Nutzerdaten stärker kontrollieren. So soll es ab sofort nicht mehr möglich sein, Nutzer-Profile über eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu suchen. Auch der Zugriff auf Veranstaltungen und private Gruppen soll lauf Technologiechef Mike Schroepfer eingeschränkt werden.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gab sich derweil weiter selbstkritisch. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen. "Das war unser Fehler, das war mein Fehler", bekräftigte er. Kommende Woche wird Zuckerberg vor dem US-Kongress aussagen. Dabei geht es auch um den möglichen Einfluss gefälschter Nachrichten auf den Wahlausgang. Dass der Datenskandal die Popularität des sozialen Netzwerks gefährde, bezweifelt Zuckerberg. "Ich glaube nicht, dass es einen bedeutenden Effekt gab", zeigte sich der Facebook-Chef im Gespräch mit US-Journalisten zuversichtlich.