Extremismus-Studie: Rolle der Frau unterschätzt

Eine Frau trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nazi Braut". Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
Eine Frau trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nazi Braut". Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
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09. Juni 2021 - 17:39 Uhr

Stuttgart (dpa/lsw) - Frauen stabilisieren einer Untersuchung zufolge extremistische Organisationen und spielen darin eine erhebliche Rolle. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV). Dies sei lange unterschätzt und von der Wissenschaft vielfach vernachlässigt worden, sagte Behördenchefin Beate Bube am Mittwoch. "Dabei nehmen Frauen in extremistischen Organisationen ganz entscheidende Funktionen ein."

In der Studie "In zweiter Reihe, an vorderster Front?" untersuchten Expertinnen der Behörde, die Referentinnen Corinna Hillebrand-Brem, Sabine Schupp-Demiriz und Britt Ziolkowski, Frauenbilder und Frauenrollen in rechtsextremistischen und islamistischen Bewegungen. Demnach helfen Frauen dabei, das soziale Gefüge der Organisationen zu stärken und extremistische Weltbilder weiterzutragen. Sie hätten einen erheblichen Einfluss, sei es als "Lehrerin, Straßenaktivistin oder Kommunalpolitikerin bis hin zur Selbstmordattentäterin", wie es weiter hieß.

Im Zweifelsfall schlössen sie sich eher einer extremistischen Bewegung an, wenn sie sich in ihrer Rolle als Ehefrau oder Mutter abgewertet fühlten. "Sie erfahren, dass ihre Leistung, die in einem früheren Leben unbelohnt blieb, in der neuen Gemeinschaft belohnt wird."

Bei wichtigen, zentralen Entscheidungen blieben Frauen in der Regel jedoch außen vor, so die Verfasserinnen. Geschätzt nur rund ein Fünftel der Mitglieder extremistischer Gruppierungen seien Frauen. In Führungszirkeln seien sie noch seltener vertreten. "Von oben" mitzugestalten sei ihnen normalerweise verwehrt.

Die Verfasserinnen hatten sich mit der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Der III. Weg" und der ebenfalls als rechtsextrem eingestuften "Identitären Bewegung" befasst sowie mit der "Islamischen Gemeinschaft Millî Görü?" und der Terrororganisation "Islamischer Staat". Für ihre Arbeit werteten sie den Angaben zufolge Flyer, Videos und offizielle Texte der Organisationen ebenso aus wie auch Sekundärliteratur.

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Quelle: DPA

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