2018 M08 16 - 18:19 Uhr

Teenager mit Tourette schlägt seine eigene Familie

​Zack schlägt auf seine Mutter ein – immer und immer wieder. Geduldig wehrt Mary den Angriff ab, so gut es geht, hält seine Arme und Hände fest. Ihr Sohn weiß, was er da tut, doch er kann es nicht steuern. Denn der 14-Jährige leidet an einer extremen Form des Tourette-Syndroms, seine Gewaltausbrüche gegenüber seinen Liebsten und sich selbst gehören zum traurigen Alltag der Familie Lamb aus Texas. Als seine Anfälle immer gefährlicher werden, entschließen Zack und seine Eltern sich zu einem riskanten Schritt.

Tics machen Zacks Leben zu einem einzigen Kampf

"Mit Zack ist jede Sekunde anders. Erst reden wir ganz normal und im nächsten Moment schlägt er mich so hart, dass ich auf den Boden stürze. Vor ein paar Wochen hat er mich so hart in den Rücken geschlagen, dass ich für eineinhalb Tage im Bett bleiben musste." Carl Lamb berichtet mit einem Lächeln von den Übergriffen seines Sohnes, doch wie groß das Leid ist, ist nicht zu übersehen. Denn Zack ist unberechenbar. Seine Tourette-Phasen machen ihn unglaublich aggressiv und ein normales Leben unmöglich.

Ursache für Tourette nicht eindeutig geklärt

Wodurch Tourette entsteht, ist auch nach mehr als hundert Jahren Forschung noch nicht eindeutig geklärt: Während einige ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im zentralen Nervensystem dafür verantwortlich machen, sehen andere die Ursache in einer Autoimmunerkrankung oder einem erblichen Defekt. Charakteristisch für die Krankheit sind die sogenannten Tics, bei denen die Betroffenen Handlungen ausführen, ohne es zu wollen. Das können etwa unwillkürliche Gesten und Geräusche sein, aber auch Beschimpfungen oder Selbstverletzungen.

Zacks Leiden beginnt, als er acht Jahre alt ist. " Er hat nur noch geschrien, es hat ihm sogar die Mundwinkel zerrissen", sagt Carl. Über die Jahre wird es trotz diverser Medikamente immer schlimmer, der Teenager wird gewalttätig – auch gegenüber sich selbst. "Und ich muss daneben stehen und weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Nichts", erzählt Mama Mary traurig. Als er bei einem besonders heftigen Anfall sogar ins künstliche Koma versetzt werden muss, fasst die Familie eine drastische Entscheidung.

Hirnschrittmacher als letzte Hoffnung

Schwächere Formen von Tourette werden mit Psychopharmaka, Verhaltens- und Psychotherapien behandelt. Doch in Zacks Fall empfehlen die Ärzte einen Hirnschrittmacher. Dabei wird eine Elektrode im Kopf implantiert, die tiefe Hirnareale mit Stromstößen stimuliert und so die überaktiven neuronalen Schaltkreise blockiert. In einer Langzeitstudie der Universität Birmingham konnte bei den Patienten eine deutliche Reduktion der Tics und ein allgemein besseres Befinden festgestellt werden.

Bei Zack gleicht der Eingriff einem Wunder: Der Schrittmacher zeigt direkt nach dem Einschalten seine Wirkung. Unter Tränen nimmt Mary ihren Sohn in den Arm – ein Ausdruck der Liebe, der den beiden aufgrund von Zacks schlimmer Krankheit jahrelang verwehrt blieb. Endlich kann der Junge Hoffnung für die Zukunft schöpfen und trotz Tourette ein ganz normales Teenager-Leben führen.