11. Januar 2019 - 18:45 Uhr

Tödlicher Unfall mit Schneeräumfahrzeug

Die Dauerschneefälle lähmen im Alpenraum das öffentliche Leben. Und auch heute gab es eine Toten: In Oberbayern ist der Fahrer eines Schneeräumfahrzeugs verunglückt. Tausende Helfer schaufeln am Limit. Auf immer mehr Straßen und Schienen geht nichts mehr. Im Raum Berchtesgaden an der Grenze zu Österreich sitzen Hunderte Menschen fest, weil Zufahrtsstraßen gesperrt sind. Und: Am Sonntag kommen noch einmal bis zu 150 Zentimeter Schnee dazu. Ein Wahnsinn. Inzwischen hat sich auch die Bundesregierung eingeschaltet.

Immer mehr Schulen geschlossen - Bäume blockieren Straßen

Der 48-Jährige wollte die Bundesstraße 307 in Lenggries räumen. Auf einer Brücke kippte das Räumfahrzeug um und stürzte in einen Wasserzulauf der Isar. Der Mann erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Die Behörden haben inzwischen für fünf Landkreise in Bayern den Katastrophenfall ausgerufen: Betroffen sind Garmisch-Partenkirchen, Traunstein, Miesbach, das Berchtesgadener Land und Bad Tölz-Wolfratshausen. Bundespolizei und örtliche Einsatzkräfte versuchen vor allem, die Schneemassen auf den Dächern zu bewältigen. Wegen Lawinengefahr sind mehrere Bundesstraßen gesperrt. Noch unklar ist, wann der Zugverkehr in Süd- und Ostbayern wieder überall rollt. Weil die Bahn auf den verschneiten Strecken nicht mehr mit dem Räumen hinterherkommt, sind viele Verbindungen unterbrochen. Wegen umgestürzter Bäume sind viele Ortschaften nicht zu erreichen.

In immer mehr Landkreisen in Oberbayern und Schwaben fällt an diesem Freitag der Unterricht aus. Zu gefährlich sei der Schulweg für die Kinder und Jugendlichen, hieß es von den Behörden. Zahlreiche Menschen haben in der Nacht zu Freitag über mehrere Stunden hinweg bei starkem Schneefall in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn 8 im Landkreis Rosenheim ausharren müssen. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Bernau am Chiemsee und Frasdorf in Richtung München kam der Verkehr wegen Schneeglätte und querstehender Lastwagen am Donnerstagabend komplett zum Erliegen. Erst in den frühen Morgenstunden konnten Pkw und Lkw nach und nach wieder anfahren, wie die Polizei am Freitag mitteilte.​ Die Winterdienste und Rettungskräfte arbeiten bis an die Belastungsgrenze. Die Bundeswehr muss schon helfen.

Da die Schneefallgrenze am Samstag ansteigen wird, ist in vielen Ortschaften mit Regen zu rechnen. Das erhöht die Einsturzgefahr der Hausdächer, denn der Regen macht den Schnee wesentlich schwerer.

Auch in Österreich ist die Situation äußerst brisant. Das Bundesheer holte eine große Schülergruppe aus dem Ruhrgebiet mit zwei Hubschraubern von einer Alm. Hubschrauber haben den Schnee von den Bäumen an der Inntalautobahn geblasen. Ein erstes Hallendach ist unter der Schneelast eingestürzt. In der Schweiz rollte eine etwa 300 Meter breite Lawine in ein Hotelrestaurant und verletzte drei Menschen leicht.

Große Probleme an Flughäfen Frankfurt und München

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ am Freitag zusichern, dass die Zahl der Einsatzkräfte notfalls aufgestockt werden könne. 

Die Lawinengefahr bleibt in den Alpen außerordentlich hoch. Rudi Mair, der Leiter des Lawinenwarndienstes in Tirol, warnte vor sogenannten Staublawinen: "Diese Lawinen können tatsächlich die Infrastruktur gefährden, die können Häuser zerstören, Straßen meterhoch verschütten." Und es wird weiter schneien: Massive Tiefausläufer bringen kräftigen Schneefall in den Alpenraum und den Bayerischen Wald.

Doch nicht nur in den Alpen, auch an den Flughäfen in München und Frankfurt sind wegen des winterlichen Wetters jeweils rund hundert Flüge am Freitag gestrichen worden. Weil es stärker schneien und glatt werden sollte, sei in Frankfurt etwa jede zehnte Flugverbindung annulliert worden, sagte ein Sprecher am Freitagmorgen. Insgesamt seien rund 120 Flüge betroffen.