Tropfen auf dem heißen Stein

Darum bringt Starkregen bei extrem trockenen Böden nur wenig

 Niedrigwasser / Trockenheit am Rhein bei Salmorth / Kleve, nahe Emmerich. Ein altes Schiffswrack wird durch den extrem niedrigen Wasserstand freigelegt. Extremes Niedrigwasser am Rhein bei Salmorth / Kleve, nahe Emmerich. Pegel bei Emmerich fällt un
Aufgerissene Böden und ausgetrocknete Flussbetten wie hier in Kleve sind derzeit keine Seltenheit.
www.imago-images.de, IMAGO/Markus van Offern, IMAGO/Markus van Offern (mvo)

von Valerie Dörner

Seit Wochen herrscht in Deutschland und auch im Rest von Europa extreme Trockenheit. Viele sehnen sich nach dem erlösenden langen Regenguss, den die Natur bitter nötig hat. Allerdings: Mit ein bisschen Regen hat sich die Trockenheit nicht erledigt. Viel eher ist der Regen bei diesem Ausmaß von Dürre und Trockenheit im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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So trocken ist Deutschland

Wasseraufnahmefähigkeit der Böden extrem schlecht

Derzeit sind die Böden in Deutschland extrem trocken. Der wetter.de-Dürre-Monitor zeigt: In fast jeder Region herrscht die höchste Warnstufe: „außergewöhnlich trocken“. Und das wird auch erst einmal so bleiben, selbst wenn es an einigen Orten zu Starkregen kommt, wie erst kürzlich in Süddeutschland. Das Paradoxe: Gerade große Wassermengen sind eher schlecht für die Böden.

Der Grund dafür liegt in der Wasseraufnahmefähigkeit der trockenen Böden. Denn ist ein Boden trocken, dauert das Durchsickern des Wassers in tiefere Schichten sehr viel länger, als wenn ein Boden bereits feucht ist.

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Experiment zeigt, wie bei unterschiedlichen Trockenheitsstufen Wasser aufgenommen wird

Besonders anschaulich zeigt das ein Experiment der University of Reading. Mit einem Glas Wasser haben die Forschenden getestet, wie gut unterschiedliche Böden das Wasser aufnehmen.

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Schon kleine Mengen Wasser versickern also extrem langsam. Bei Starkregen kommt extrem viel Wasser auf einen Schlag herunter, also in sehr kurzer Zeit. Statt im Boden zu versickern, sammelt sich das Wasser bei trockenen Böden zu lange an der Oberfläche. In einer Studie für das Umweltbundesamt haben Forschende herausgefunden, dass Starkregen umso gefährlicher wird, je trockener der Boden ist, auf den er fällt. Denn das viele Wasser gelangt statt in den Boden in die Umgebung, also in Flüsse, Seen, die Kanalisation oder in Keller. Dann kann es zu Überflutungen oder sogar Bodenerosionen kommen.

Was würde helfen?

Statt vereinzeltem Starkregen wäre ein moderater, aber konstanter Regenguss nötig – und das am besten über mehrere Wochen. Auch wenn das bei uns wohl eher für schlechte Laune sorgen würde: Für die Natur wäre wochenlanger Regen jetzt ein Segen. Doch selbst dann würde es wohl Monate dauern, bis sich der Boden beim aktuellen Zustand wieder erholt hat.

Was wir in Europa generell gegen Dürre und Trockenheit tun können und sollten, lesen Sie hier.

Nicht nur Deutschland hat zu kämpfen: Trockenheit in ganz Europa

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Dürre aus dem Weltall zu erkennen
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Erwartet uns bald Besserung?

Aber wie sieht es denn in den kommenden Tagen aus – ist da eine Verbesserung der Situation zu erwarten? Wohl leider nicht. Dazu unser wetter.de-Meterologe Martin Pscherer: „Vorerst ist die Trockenheit weiter Thema. Zum Ende der Woche sind zwar zumindest lokal größere Regenmengen möglich, flächendeckend größere Regenmengen sind aber auch in der neuen Woche nicht in Sicht.“

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(vdö)