Experten schlagen Alarm: 1,8 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland

Jeder zehnte Deutsche trinkt zu viel Alkohol. 1,8 Millionen sind bereits abhängig.
Jeder zehnte Deutsche trinkt zu viel Alkohol. 1,8 Millionen sind bereits abhängig.
© dpa, Klaus-Dietmar Gabbert

07. April 2014 - 19:43 Uhr

Alkoholmissbrauch in Deutschland nimmt zu

Experten schlagen Alarm: Seit 2006 hat sich die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland um 36 Prozent gesteigert. Rund 1,8 Millionen Menschen sind betroffen. Insgesamt 7,4 Millionen Bundesbürger trinken mehr als die von Experten empfohlene Höchstmenge.

Junge Erwachsene unter 25 sind verstärkt alkoholabhängig, wie aus einer neuen Erhebung des Instituts für Therapieforschung in München hervorgeht. Weitere 1,6 Millionen Erwachsene weisen Alkoholmissbrauch auf, haben also beispielsweise Eheprobleme wegen des Trinkens, gelten aber nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig. Die Kernzahlen der Studie 'Epidemiologischer Suchtsurvey' mit Daten aus dem Jahr 2012 wurden von dem Grünen-Drogenexperten Harald Terpe jetzt öffentlich gemacht.

319.000 Erwachsene in Deutschland sind demnach abhängig von illegalen Drogen. Mindestens 2,3 Millionen Menschen sind von Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln abhängig. Vor allem ältere Menschen laufen verstärkt Gefahr, wegen der Verordnung mehrerer Medikamente parallel und wegen der langen Einnahmedauer Schäden davonzutragen. Aber auch die Tabakabhängigkeit ist mit insgesamt 5,6 Millionen Menschen in Deutschland stark vertreten.

Suchtprävention muss gefördert werden

Die Studienautoren schreiben: "Die hohe Verbreitung psychischer Störungen durch Alkohol und Tabak macht die Dringlichkeit der Umsetzung effizienter Präventionsmaßnahmen deutlich." Auch Medikamentenmissbrauch sollte mehr beachtet werden. Terpe forderte den neuen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, "der Suchtprävention und -therapie mehr Energie als sein Vorgänger zu widmen".

Das Bundesgesundheitsministerium betonte jedoch, dass zugleich der durchschnittliche Alkoholverbrauch zurückgegangen sei. Die Reduzierung von Alkoholmissbrauch sei ein vordringliches Ziel der Regierung. Das Gesundheitsressort habe im vergangenen Jahr mit 1,3 Millionen Euro entsprechende Projekte gefördert.