Experten: Quarantäne mit Sinn füllen

Ein Schild mit der Aufschrift "Südpfalz-Kaserne" hängt am Eingang zur Südpfalz-Kaserne in Germersheim. Foto: Uwe Anspach/dpa
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05. Februar 2020 - 7:00 Uhr

Ihre Unterbringung auf der Quarantäne-Station in Germersheim bedeutet für die China-Rückkehrer nach Einschätzung einer Expertin eine "Ohnmachtserfahrung". Deshalb sei es wichtig, die Betroffenen gut über den Ablauf der Quarantäne und die medizinischen Aspekte zu informieren, sagte Barbara Lubisch, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr als 120 Menschen sind seit Sonntag nach ihrer Ankunft mit einer Sondermaschine in einer Bundeswehrkaserne der südpfälzischen Stadt untergebracht und auf das Corona-Virus getestet worden. Zeigt keiner Symptome der Lungenkrankheit, sollen sie nach zwei Wochen nach Hause dürfen. Am (heutigen) Mittwoch sollten Testergebnisse vorliegen.

Um die Isolation möglichst gut zu überstehen, sollten die Menschen die Möglichkeiten erhalten, sich um dringende private und berufliche Dinge zu kümmern, etwa per Telefon, Video oder E-Mail, riet Lubisch. "Das würde helfen, die endlosen Tage in Quarantäne zu überstehen und nimmt etwas Druck von ihnen. Es ist ja auch langweilig, wenn man nichts zu tun hat. Schließlich ist das kein Urlaub."

Ein gut strukturierter Tagesablauf, Bewegung an der frischen Luft und die Möglichkeit, mit Freunden und Angehörigen außerhalb der Kaserne zu kommunizieren, können nach Ansicht der Psychologischen Psychotherapeutin den Menschen in der Quarantäne ebenfalls helfen, mit ihrer ungewöhnlichen Situation besser klar zu kommen. "Es wäre auch sinnvoll, wenn die Menschen ihre Erfahrungen untereinander austauschen, ähnlich wie in einer Selbsthilfegruppe. Wenn das wegen der Einschränkungen im direkten Kontakt nicht gehen sollte, dann notfalls auch mit dem Handy oder anderen Kommunikationsmitteln."

Aus der Quarantäne in Germersheim wurden am Sonntag zwei mit dem Virus infizierte Rückkehrer zur Frankfurter Uniklinik gebracht. Nach Angaben des Gesundheitsamtes der Stadt sind sie wohlauf. Wie lange sie auf der Isolierstation bleiben müssen, kann nicht vorhergesagt werden, da es sich um einen neuen Virus handelt, wie es hieß.

Wie kann man Isolation und Quarantäne gut verarbeiten? Astronauten zum Beispiel trainieren eine Isolation für ihre Einsätze, wie der Leiter der Raumfahrtmedizin am Europäischen Astronautenzentrum in Köln, Guillaume Weerts, sagte. Wissenschaftlich werden die Missionen vorbereitet, zum Beispiel unter ähnlichen Bedingungen bei Polarexpeditionen. "Bei unseren Übungen ist das für Astronauten kein Stress, es ist für sie fast wie Urlaub", meinte Weerts.

Bei den in Germersheim untergebrachten Menschen geht es um ihren eigenen Schutz und um das Ausschließen der Verbreitung der Krankheit. Niemand wolle freiwillig in Quarantäne. "Die psychologische Belastung hängt davon ab, wie die Leute begleitet werden."

"Was Menschen nicht mögen, ist, wenn sie ihr Leben nicht mehr selbst steuern können", sagte Weerts. Die Situation für Astronauten bei mehrmonatigen Einsätzen ist ungleich härter. "Aber die sind dort, um zu arbeiten. Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Leute ausgewählt und trainiert sind. Wir wissen, mit wem wir arbeiten."

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Rückkehrer in Germersheim betreut, erhalten die Menschen auch eine psychologische Betreuung. Das Angebot einer psychotherapeutischen Hilfe sei ganz wichtig, falls die Isolierten Ängste, Panikattacken oder depressive Stimmungen entwickeln sollten, betonte die Expertin Lubisch.

Bislang ist die allgemeine Gemütsverfassung der Menschen in der Kaserne gut, wie das DRK berichtete. Die Helfer gäben sich Mühe, dass kein Lagerkoller aufkomme.

Die etwa zwei Dutzend Kinder in der Quarantäne-Einrichtung können nach Einschätzung von Lubisch leichter abgelenkt werden als die Erwachsenen, mit Spielen und Spielzeug beispielsweise. Auch für sie sei Bewegung ganz wichtig. Jugendlichen könne zudem der Kontakt zu ihren gleichaltrigen Bezugsgruppen helfen, um mit dieser "ungewöhnlichen Ausgrenzung" klar zu kommen.

Quelle: DPA