Experte zu Hanau: kein "psychisch kranker Einzeltäter"

Blumen liegen in der Nähe eines Tatorts in der Innenstadt. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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20. Februar 2020 - 17:30 Uhr

Die Amadeo-Antonio-Stiftung hält es für falsch, den Attentäter von Hanau als "psychisch kranken Einzeltäter" zu bezeichnen. "Der Täter mag eine psychische Erkrankung haben, aber vertritt ein geschlossenes rechtsextremes und rassistisches Weltbild, in dem verschwörungsideologische Elemente besonders ausgeprägt sind", sagte Timo Rheinfrank, der Geschäftsführer der Berliner Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Schließlich befeuere die Endzeit-Rhetorik in rechtsextremen Online-Milieus wahnhafte Ideen und sei auch maßgeblich dafür verantwortlich, "dass aus psychischen Störungen mörderische Gewalt wie in Hanau wird".

In Hunderten von Chatgruppen seien die Vorbereitungen auf einen vermeintlichen "Tag X", an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht, in vollem Gange "und alle paar Wochen werden neue rechtsterroristische Gruppierungen bekannt". Der Bekämpfung des Rechtsextremismus müsse endlich "höchste Priorität" eingeräumt werden, forderte die Stiftung. Auch Verschwörungsideologien müssten als Bedrohung für die Demokratie wahrgenommen werden. "Offensichtlich sind immer mehr Rechtsextreme davon überzeug, dass "Tag X" gekommen ist: der Moment loszuschlagen", analysierte Rheinfrank.

Im hessischen Hanau hatte ein Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze, der in einem Video eine rassistische Gesinnung und krude Verschwörungstheorien offenbarte, seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben.

Quelle: DPA