Experte: Straftäter verbergen sich hinter vielen IP-Adressen

30. Juni 2020 - 13:01 Uhr

Die Zahl der Tatverdächtigen im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach könnte deutlich kleiner ausfallen als die von Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) am Montag zunächst genannte Zahl von 30.000. "Wenn mit der Zahl der Spuren die IP-Adressen gemeint sind, reden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer deutlich geringeren Anzahl von Menschen, die sich dahinter verbergen", sagte der Internet-Experte Bernhard Krönung, Beirat des größten deutschen Internetknotenpunkts DE-CIX, der Deutschen Presse-Agentur.

Krönung verwies darauf, dass Provider oft in regelmäßigen Abständen den Anschlüssen neue IP-Adressen zuweisen. Außerdem versuchten Kriminelle, im Internet ihre Spuren häufig im Anonymisierungsnetzwerk TOR zu verwischen. "Da werden auch jeweils neue IP-Adressen verwendet." Gerade in Fällen schwerer Kriminalität versuchten die Täter auch, ihre örtliche Herkunft zu verschleiern. "Die loggen sich dann über Internet-Cafés oder öffentlich zugängliche WLAN-Hotspots ein." Daher könne es sein, dass einem Tatverdächtigen in dem Missbrauchsfall eine Vielzahl von IP-Adressen zuzuordnen seien.

Die Ermittler hatten am Montagabend die Angaben des Justizministers bereits relativiert und selbst gesagt, dass es sich um 30.000 Spuren handele, hinter denen nicht die gleiche Zahl an Verdächtigen stehen müsse. Es könne durchaus Dopplungen geben, wenn ein Verdächtiger zum Beispiel mehrere Nicknames oder Internetanschlüsse verwendet hätte.

Quelle: DPA