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Exit vom Brexit: Mehr als 600.000 Briten demonstrieren für neues Referendum über EU-Austritt

AK Brexit-Demo
AK Brexit-Demo 01:24

London: Hunderttausende protestieren gegen Brexit

Mit etwa 100.000 Demonstranten hatten die Veranstalter gerechnet, am Ende kamen etwa 670.000: In London haben sich Briten aus allen Landesteilen versammelt, um gemeinsam für ein neues Brexit-Referendum zu demonstrieren. Bürgermeister Sadiq Khan, ein Labour-Politiker, sprach von einem "historischen Moment" der Demokratie.

May will nicht von Kurs abweichen

Demo für neues Brexit-Votum
Rund 670.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil. © Wheatley/WENN, MAAA/ZDS, ©m.wheatley/WENN.com

Vor 28 Monaten war die Entscheidung gefallen: Mit knapper Mehrheit (52 Prozent) hatten die stimmberechtigten Briten sich für einen "Brexit", also den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU entschieden. Doch jetzt werden die Zweifel an der Entscheidung immer größer: Nur noch 41 Prozent sind heute noch dafür, 47 Prozent halten die Entscheidung für einen historischen Fehler.

Organisiert von der Kampagne "People's Vote" zogen nun am Samstag mehr als eine halbe Million Menschen durch die Straßen der britischen Hauptstadt, um friedlich für ein neues Referendum zu protestieren. Es könnte sich Medienberichten zufolge um die größte Demonstration seit 15 Jahren in der Hauptstadt handeln.

Doch dass die Protestierenden bei Premierministerin Theresa May für einen Sinneswandel sorgen, gilt als höchst unwahrscheinlich: May hatte schon zuvor klar gemacht, dass es ein zweites Referendum nach ihrem Willen nicht geben soll. Für sie ist die Abstimmung von vor zwei Jahren bindend.

Brexit entpuppte sich als schlechter Deal

Beim Referendum 2016 sei der EU-Austritt als "einfachster Deal in der Geschichte" verkauft worden, so "People's Vote", ein Zusammenschluss mehrerer Gruppierungen. Inzwischen wisse man aber, welche Kosten der Brexit verursache und welchen Schaden er den Arbeitnehmerrechten zufüge. Kritik wurde auch an der Abwanderung von ausländischen Ärzten und Pflegepersonal sowie am schwächelnden Pfund geübt.

Großbritannien will Ende März 2019 die EU verlassen. Die Verhandlungen mit Brüssel stecken jedoch in einer Sackgasse. May steht deshalb unter einem enormen Druck, auch in ihrer eigenen Partei weht ihr ein scharfer Wind entgegen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich London ohne Abkommen von der EU trennt. Dies würde Folgen für alle Lebensbereiche haben und voraussichtlich zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Viele Unternehmen treffen bereits Vorkehrungen.

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