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Existenzängste bei Kurzarbeitern: Viele haben ihre finanzielle Rücklagen bereits aufgebraucht

Finanzielle Rücklagen aufgebraucht

Existenzängste bei Kurzarbeitern

ARCHIV - 05.01.2010, Hessen, Frankfurt Am Main: Eine Frau geht in der Bundesagentur für Arbeit an einem Logo der Arbeitsagentur vorbei. In welcher Verfassung geht Hessens Arbeitsmarkt in den zweiten Corona-Lockdown? (zu dpa «Arbeitsagentur: Kurzarbei
Kurzarbeit
cu Ken kd rho fie soe fie exa rh, dpa, Uwe Anspach

Fast die Hälfte bewertet finanzielle Situation als belastend

Durch millionenfache Kurzarbeit ist ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland in der Corona-Krise bisher vermieden worden. Trotzdem haben viele Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter Existenzsorgen. Laut einer aktuellen Studie bewertet fast die Hälfte (48 Prozent) der Kurzarbeiter ihre finanzielle Situation im November als stark belastend.

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Finanziellen Rücklagen bei vielen Betroffenen aufgebraucht

Für die Studie hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mehr als 6100 Erwerbstätigen und Arbeitssuchende befragt. Danach hat die Hälfte der Kurzarbeiter Existenzängste. Bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Kurzarbeit waren es "nur" knapp 17 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die häufigen Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft dürfte laut der Studie die von rund 44 Prozent der Kurzarbeitenden geäußerte Furcht sein, doch noch arbeitslos zu werden. In der Gruppe der Beschäftigten ohne Kurzarbeit fürchtete das nur jeder Zehnte.

Kurzarbeit habe gesamtwirtschaftlich eine große positive Wirkung , weil sie Beschäftigung sichere und Unternehmen ermögliche, nach Abklingen der Krise mit eingespielten Belegschaften durchzustarten, betonten die Verfasser der Studie. Auch individuell sei die Situation von Beschäftigen in Kurzarbeit besser als die von Arbeitslosen.

Dennoch sei angesichts des historisch beispiellosen Umfangs von Kurzarbeit in der Corona-Krise bei etlichen Kurzarbeitenden „mit sich im Laufe der Zeit verschärfenden sozialen Problemen zu rechnen", warnten die Wissenschaftler. Denn die finanziellen Rücklagen seien vielfach mittlerweile aufgebraucht oder gingen allmählich zur Neige.

Kurzarbeitergeld mit oder ohne Aufstockung - ein großer Unterschied

Laut der Studie erhielten rund 42 Prozent der Befragten im November eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes (KuG) über das ursprüngliche gesetzliche Ausgangsniveau von 60 Prozent des Nettoentgelts (bzw. 67 Prozent mit Kindern) hinaus. Angesichts der langen Dauer der Pandemie sei ein Teil der erhöhten Leistungen darauf zurückzuführen, dass das KuG nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen nach vier bzw. sieben Monaten Bezugsdauer automatisch ansteigt, so die Forscher. Eine große Rolle spielten aber tarifliche und betriebliche Vereinbarungen für ein erhöhtes Kurzarbeitergeld, so die Macher der Studie: „Gute Chancen auf relativ geringe Einkommensverluste haben Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter in Betrieben mit Betriebsrat oder Tarifbindung.“ So erhielten in Betrieben mit Tarifvertrag knapp 53 Prozent der Kurzarbeiter eine Aufstockung, während es ohne Tarifvertrag lediglich knapp 29 Prozent waren. Noch größer war der Vorsprung in Betrieben mit Betriebsrat (gut 66 Prozent mit Aufstockung) gegenüber solchen ohne betriebliche Mitbestimmung (knapp 26 Prozent).

Ob das KuG aufgestockt wird oder nicht, hat laut den Befragungsdaten einen spürbaren Einfluss darauf, wie problematisch die finanzielle Situation einstuft wird. So berichten knapp 53 Prozent der Kurzarbeitenden ohne Aufstockung, ihre finanzielle Situation sei stark belastend, unter denen mit Aufstockung sehen das knapp 42 Prozent so. Die Gesamtgruppe der Kurzarbeitenden ist mit 48 Prozent weit häufiger finanziell stark belastet als der Durchschnitt aller Befragten mit gut 17 Prozent. Der Anteil liegt relativ nahe bei den befragten Arbeitslosen, die mit gut 55 Prozent am häufigsten finanzielle Belastungen aufweisen, und er ist deutlich höher als bei Selbständigen (30 Prozent), MinijobberInnen (knapp 26 Prozent) und erst recht Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Kurzarbeit (knapp 13 Prozent).

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Quelle: DPA / WSI / RTL.de