"Der Fußball ist unmenschlicher geworden"

Weltmeister Mustafi wehrt sich gegen Kritik aus sozialen Medien

© dpa, Arne Dedert, nic htf nic

9. Oktober 2019 - 13:14 Uhr

"Spiegel"-Interview: Weltmeister Mustafi prangert Umgang im Internet an

Der Fußball ist ein gnadenloses Geschäft. Noch gnadenloser können nur die Fans sein. Diese Erfahrung muss Profi Shkodran Mustafi seit einigen Monaten machen. Im "Spiegel"-Interview spricht der Verteidiger über die Kritik an seiner Person.

"Ich bin zur Zielscheibe geworden", sagt der 27-Jährige und ergänzt: "Irgendwann haben mich die Leute sogar für eine Niederlage verantwortlich gemacht, bei der ich gar nicht gespielt hatte."

Dabei fing seine Zeit beim FC Arsenal gut an. Regelmäßig stand Mustafi in der Startelf des englischen Hauptstadtclubs, für den er seit Sommer 2016 spielt. Doch seit Ende vergangenen Jahres die sportliche Talfahrt. Höhepunkt des Tiefpunktes: Die 1:5-Niederlage gegen den FC Liverpool.

ARCHIV - HANDOUT - BERLIN, GERMANY - JULY 15: Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schuerrle, Miroslav Klose, Mario Goetze and Toni Kroos (L-R) celebrate on stage at the German team victory ceremony July 15, 2014 in Berlin, Germany.  Germany w
Mustafi (zweiter von links) war Teil der Weltmeister-Mannschaft 2014. Doch im Achtelfinale verletzte er sich, verpasste den Rest des Turniers
© dpa, Alex Grimm

"Die Leute können ihren Frust direkt bei uns abladen“

"Ich hatte drei Wochen verletzt gefehlt und bin dann ohne Trainingseinheit mit der Mannschaft in dieses Spiel gegangen, weil der Trainer mich brauchte. Zur Halbzeitpause stand es 1:4, ich sah ein paar Mal nicht gut aus und habe mich wieder verletzt", sagt Mustafi. Es folgte heftige Kritik in sozialen Medien. Seither hat sich sein Marktwert laut transfermarkt.de fast halbiert.

In den folgenden Wochen und Monaten musste Mustafi feststellen, dass die Kritik eskaliert und irrational geworden sei. "Der Fußball ist unmenschlicher geworden", hält er fest. Dazu hätten auch die sozialen Medien beigetragen: "Weil sich jeder äußern kann, ohne Klarnamen. Die Leute können ihren Frust direkt bei uns abladen." Dazu zählt auch ein YouTube-Video mit dem Titel "This is why Mustafi MUST LEAVE Arsenal" (dt.: Deshalb MUSS Mustafi Arsenal VERLASSEN) des Users "ArsenalScoutHD".

Rückkehr nach Deutschland denkbar

Zwar hat er sich laut eigener Aussage das Video nicht angesehen, aber die ganze Kritik geht nicht spurlos an ihm vorbei. "Es gab Tage, in denen ich wirklich etwas an mir gezweifelt habe", offenbarte der gebürtige Osthesse. Die Lust am Kicken habe er dennoch nie verloren.

Aktuell ist der Profi bei Arsenal auf dem Abstellgleis. Zu Saisonbeginn teilte Coach Unai Emery Mustafi mit, er könne sich einen neuen Verein suchen. Bisher verläuft die Suche erfolglos. Einen Wechsel nach Deutschland, wo Mustafi lediglich in der Jugend für den HSV spielte, kann sich der Profi durchaus vorstellen: "Für die Zukunft bin ich offen - auch für die Bundesliga." Und vielleicht gelänge damit auch ein Comeback in der deutschen Nationalmannschaft..