Ex-Spitzensportler Oscar Pistorius bleibt länger in Haft

Vom Sport-Star zum Mörder: Der tiefe Fall des Oscar Pistorius
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24. November 2017 - 11:49 Uhr

Südafrikanisches Berufungsgericht verlängert die Haftstrafe für Ex-Sprintstar Oscar Pistorius

Der Fall Oscar Pistorius beschäftigt Südafrikas Gerichte seit vier Jahren. Nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin wurde der Ex-Sprinter zu einer ungewöhnlich milden Haftstrafe verurteilt, die weltweit für Empörung sorgte. Das ist nun Geschichte. 

Höheres Strafmaß nach Berufung

Das oberste Berufungsgericht Südafrikas hat den früheren Spitzensportler Oscar Pistorius heute wegen Totschlags zu dreizehn Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Seine eigentliche Strafe von sechs Jahren wurde mit dieser Entscheidung schlichtweg verdoppelt. Auf Totschlag stehen in Südafrika üblicherweise mindestens fünfzehn Jahre Gefängnis, aber die Berufungsrichter berücksichtigten seine bereits abgesessene Zeit. Pistorius, der seine Strafe in der Hauptstadt Pretoria verbüßt, war bei der Urteilsverkündung in Bloemfontein nicht anwesend. 

Die Staatsanwaltschaft hatte die im Juli 2016 gegen Pistorius verhängte Haftstrafe als "schockierend milde" bezeichnet und Berufung eingelegt. Zudem habe Pistorius seine Tat nie schlüssig erklären können und keine wirkliche Reue gezeigt, erklärte eine Staatsanwältin vor dem Berufungsgericht.

Der 31 Jahre alte Ex-Sprinter hatte am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin, Model Reeva Steenkamp,in seinem Haus mit vier Schüssen durch eine Toilettentür getötet. Die Familie von Steenkamp war sofort sicher, dass der Paralympics-Star sie aus voller Absicht erschoss - Eifersucht soll der Grund gewesen sein. Oscar Pistorius hingegen behauptete bis zum Schluss, dass es sich dabei um einen tragischen Unfall handelte. Vor Gericht beteuerte der Ex-Sprinter, dass er einen Einbrecher hinter der Tür vermutete, als er die tödlichen Schüsse abfeuerte.

Der tiefe Fall des international gefeierten Athleten sorgte weltweit für Schlagzeilen. Pistorius war durch seine Siege bei den Paralympics zum Volkshelden geworden. In London startete er 2012 als erster beinamputierter Sportler in der Geschichte der Olympischen Spiele. Heute ist er ein gebrochener Mann. Nicht nur seelisch, sondern auch körperlich: Nach einem Selbstmordversuch kurz nach seiner Inhaftierung im Sommer 2016, folgte im August dieses Jahres ein Verdacht auf Herzinfarkt.

Ende 2014 bekam der aus vermögender und einflussreicher Familie stammende Pistorius in erster Instanz fünf Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung. Doch dieses Urteil sorgte in Südafrika für Empörung. Für viele war es ein Zeichen, dass Angehörige der weißen Minderheit vor Gericht immer noch besser behandelt werden als Schwarze. Die Frauenorganisation der Regierungspartei ANC kritisierte zudem, das Urteil sende ein fatales Signal der Nachsicht gegenüber häuslicher Gewalt. Aus diesen Gründen ging die Staatsanwaltschaft in Berufung und erzielte ein Urteil wegen Mordes. Daraufhin verhängte Richterin Masipa 2016 ein neues Strafmaß, sechs Jahre Gefängnis. Sie erkannte Pistorius jedoch erneut mildernde Umstände zu: "Er ist ein gefallener Held, er hat seine Karriere verloren, er ist finanziell ruiniert."

Mit dem heute gefällten Urteil des Berufungsgerichts wurde Oscar Pistorius' Haftstrafe nun mehr als verdoppelt.