Warnschuss für Elite-Einheit der Bundeswehr

Ex-Soldat über den KSK-Skandal: "Kritiker werden in der Regel abgestraft, leider."

Florian Pfaff, ehemaliger Major und Sprecher des Arbeitskreises Darmstädter Signal.
© RTL

02. Juli 2020 - 11:00 Uhr

KSK-Skandal: Rechtsextremismus und verschwundene Munition

Es geht um Rechtsextremismus in der Truppe und auch um verschwundene Munition. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte bereits an, das Kommando Spezialkräfte umzustrukturieren und teilweise sogar aufzulösen.

Florian Pfaff ist ehemaliger Major der Bundeswehr. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Darmstädter Signal, ein nach eigener Bezeichnung kritisches Forum aktiver und ehemaliger Soldaten. Mit uns spricht er über den KSK-Skandal.

"Kritiker werden in der Regel abgestraft, leider"

Ihm reichen die Maßnahmen der Verteidigungsministerin bei weitem nicht aus: "Es hat keinen Sinn eine Kompanie aufzulösen und den Rest der Bundeswehr - betrifft ja nicht nur KSK – zu lassen." Für ihn liegt eine Lösung nur in einer vernünftigen Vorbildfunktion.

Mittlerweile stehen 20 Soldaten der Eliteeinheit KSK (Kommando Spezialkräfte) unter Rechtsextremismus-Verdacht. Das teilte der Militärische Abschirmdienst (MAD) im Januar mit. Florian Pfaff sagt, dass die Strukturen der Eliteeinheit Teil des Problems sind: "Diese Leute haben ja, wie die Bundeswehr insgesamt, aber in verstärktem Maße auch die Geheimhaltung und da geht man natürlich davon aus, dass man da nicht verpfiffen wird, wenn man irgendwelche Aussagen tätigt."

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte am Dienstag einen Bericht über die Zustände in der Spezialeinheit vor. Sie sieht auch ein Problem in der Abschottung der Truppe – die "habe sich zumindest in Teilen verselbstständigt."

"Kritiker werden in der Regel abgestraft, leider. Und hier müsste die Verteidigungsministerin ansetzen und müsste in erster Linie die Kritik haben wollen. Kritische Staatsbürger in Uniform und nicht bewaffnete Rechtsbrecher haben wollen", so Ex-Major Pfaff im RTL-Interview.

Die Ministerin lenkt in diesem Punkt ein, sagt, man wolle die Mutigen ermutigen und den Blick auf die Soldaten richten, die helfen, die Bundeswehr von innen zu reinigen und zu erneuern.

Elitesoldaten feierten Party mit rechter Musik und Hitlergruß

Das KSK geriet seit 2017 häufig in die Kritik. Auf einer Abschiedsfeier warfen Elitesoldaten mit Schweineköpfe, spielten rechtsradikale Musik und machten den Hitlergruß. Das seien alles Einzelfälle, hieß es lange seitens der Regierung. Im Januar diesen Jahres teilte der Militärische Abschirmdienst (MAD) mit, dass mittlerweile 20 KSK-Soldaten unter Rechtsextremismus-Verdacht stehen. Im Verhältnis zur Größe der Truppe, sind das fünf Mal so viele Fälle wie bei der gesamten Bundeswehr. Die Elitesoldaten machen weiter Schlagzeilen: Im Mai wurde einer der Soldaten einem Haftrichter vorgeführt – auf seinem Grundstück fanden die Ermittler Waffen, Munition und Sprengstoff.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer handelt jetzt:  Die zweite Kompanie der KSK wird abgeschafft. Diese hatte damals die Schweinekopfparty gefeiert. Wegen der verschwundenen Munition soll es nun eine Waffeninventur geben. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagt dazu: "Es ist schon überraschend, dass das jetzt als eine große Maßnahme erkannt wird. Für mich ist das eine pure Selbstverständlichkeit."

Bewährungsprobe bis Ende Oktober

Der Rest des KSK wird umstrukturiert. Das betrifft die Ausbildung neuer Elitesoldaten, aber auch die bisherige Abschottung der Elitetruppe. In Zukunft sollen sich die Soldaten regelmäßig mit anderen Spezialeinheiten wie den Kampfschwimmern austauschen. Ob das KSK weiter besteht, entscheidet die Verteidigungsministerien Ende Oktober.

Ob der Rest der Spezialeinheit weiter bestehen darf, entscheidet sich Ende Oktober. Annegret Kramp-Karrenbauer spricht von einer Bewährungsprobe.

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