Wüst schätzt Jakobsens Rad-Unglück ein

Ex-Radprofi: Das war der Unfall-Auslöser

07. August 2020 - 6:54 Uhr

Jakobsen inzwischen stabil

Fabio Jakobsen (Deceuninck-Quick Step) gilt in den Niederlanden als Nachwuchshoffnung im Radsport. Auf der Polen-Rundfahrt verunglückte der 23-Jährige nach einem Manöver mit Landsmann Dylan Groenewegen (Lotto-Soudal) beim Zielsprint schwer und schwebte zeitweise sogar in Lebensgefahr. Dabei hätte der Sturz möglicherweise sogar verhindert werden können.

Wüst erklärt den Unfallhergang

Für den früheren Radprofi Marcel Wüst ist beim Anblick des Horrorsturzes in Kattowitz der Fehler sofort klar: "Groenewegen hatte diesen Instinkt, na dann mache da mal ein bisschen zu. Aber grundsätzlich ist das natürlich falsch", erklärte der 53-Jährige im Gespräch mit RTL. Der Etappengewinner von zehn Grand Tours ist zudem überzeugt, dass die Veranstalter einen solch schweren Sturz hätten verhindern können. Zu welchen Sicherheits-Maßnahmen Wüst geraten hätte, erklärt er im Video.

Kittel: Radsport ist keine Formel 1

Ex-Topsprinter Marcel Kittel äußert nach dem Horror-Sturz harte Kritik an den Organisatoren der Kattowitz-Etappe: "Die Rennstrecke, auf der der Unfall passierte, ist schon länger berühmt-berüchtigt. Da muss man sich schon überlegen, was zumutbar ist", sagte der 32-Jährige dem 'Münchner Merkur': "Wir fahren eben auf keinen abgesicherten Rennenstrecken wie die Formel 1, sondern in öffentlichen Räumen. Man muss versuchen, den Sport so weit zu bändigen, dass man eine sichere Umgebung anbieten kann."

Auch Groenewegen verletzt

In der Zwischenzeit war bekannt geworden, dass sich Jakobsen in einem stabilen Zustand befinde. Der 23-Jährige habe keine Verletzungen im Gehirn oder an der Wirbelsäule erlitten. Der junge Niederländer befinde sich aber weiterhin im künstlichen Koma und werde intensiv beobachtet. Neben Jakobsen wurde auch Sturzverursacher Groenewegen operiert. Der 27-Jährige habe sich einem Eingriff am Schlüsselbein unterzogen, das er sich bei dem Manöver gebrochen hatte.

Im Sprint um den Sieg hatte Groenewegen seinen Konkurrenten Fabio Jakobsen kurz vor der Ziellinie ins Absperrgitter gedrückt. Jakobsen war daraufhin brutal gestürzt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft von Kattowitz eingeschaltet. "Bis jetzt wurden drei Zeugen befragt, einschließlich eines Veranstalters", sagte Beata Ksiazek-Nowicka von der Staatsanwaltschaft der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Die Polizei sammelte schon Aufnahmen des Unfalls sowie die Räder der verletzten Fahrer.

Patrick Lefevere, Manager von Deceuninck-Quick Step, hatte den Unfall als "kriminell" bezeichnet und angekündigt, sich bei der Polizei zu melden. "Wir werden das nicht ruhen lassen", sagte er am Donnerstag laut der belgischen Nachrichtenagentur Belga.