Ex-Profi Rosenthal zu Hanau: "Kraftvolle Signale senden"

Jan Rosenthal im Trikot von SV Darmstadt 98. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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22. Februar 2020 - 13:20 Uhr

Der ehemalige Bundesliga-Profi Jan Rosenthal plädiert für ein andere Art des Gedenkens bei Fußball-Spielen nach Ereignissen wie der mutmaßlichen rassistischen Gewalttat von Hanau. "Ich fände es deutlich sinnvoller, wenn statt einer Trauersymbolik kraftvolle Signale gesendet werden", sagte Rosenthal in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit "t-online.de". Das könne ein gemeinsamer Gesang sein, "der zeitgleich und über alle Fangruppen hinweg lautstark durch alle Bundesliga-Stadien hallt - und damit die notwendige Energie versprüht, die es braucht, um geschlossen gegen Rassismus vorzugehen".

Als positives Beispiel nannte der 33 Jahre alte frühere Spieler von Hannover 96, des SC Freiburg, von Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 die Frankfurter Fans. Diese hatten am Donnerstagabend auf Zwischenrufe bei der Schweigeminute vor dem Europa-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg mit lauten "Nazis raus"-Rufen reagiert.

Auch bei den Spielen an diesem Wochenende in der Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga wird der Opfer der Anschläge von Hanau mit Schweigeminuten gedacht. "Der Grundgedanke dahinter ist natürlich nicht verkehrt - aber sowas wird nicht gerade wirkungsvoller von Mal zu Mal", sagte Rosenthal. "Im Gegenteil, es nutzt sich gewissermaßen ab, so doof es auch klingt. Und bezogen auf die gesellschaftlichen Grundprobleme an sich: Hat das jemals nachhaltig etwas bewirkt?"

In der hessischen Stadt hatte ein Mann am Mittwochabend neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Sechs weitere wurden laut Bundesanwaltschaft verletzt, einer davon schwer. Kurze Zeit später wurden der mutmaßliche Täter und seine Mutter ebenfalls erschossen in einer Wohnung gefunden.

Quelle: DPA