Ist das Leben als Politiker zu anstrengend?

Ex-Innenminister Thomas de Maizière bei Anne Will: So war das mit der Kosmetikpanne am Flughafen

Moderatorin Anne Will mit Gästen Sarah Wagenknecht und Thomas de Maizière (Foto: NDR/Wolfgang Borrs)
Moderatorin Anne Will mit Gästen Sarah Wagenknecht und Thomas de Maizière (Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

18. März 2019 - 10:07 Uhr

Darüber wurde diskutiert

Thomas de Maizière (65) war unter Kanzlerin Angela Merkel Innen- und Verteidigungsminister gewesen und galt immer als Musterprofi. Jetzt ist er im Ruhestand. Seine Haare sehen etwas grauer aus als vor anderthalb Jahren, dafür wirkt er erfrischt und gut gelaunt. Sahra Wagenknecht von der Linken ist 49 und damit für eine Politikerin noch recht jung - doch sie mag nicht mehr. Ist das Leben als Politiker schlicht zu anstrengend? Und wie sieht es in der Arbeitswelt aus? Darüber redete Anne Will am Sonntagabend mit ihren Gästen.

Die Gäste

  • Klaus Lieb, Psychiater 
  • Alexander Jorde, Krankenpfleger und Buchautor  
  • Katja Suding, stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag
  • Thomas de Maizière (CDU); ehemaliger Innen- und Verteidigungsminister
  • Sahra Wagenknecht, Linken-Politikerin

Sahra Wagenknecht: „Kein Mitleid mit Politikern“ - de Maizière wieder "alltagstauglich"

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) geht am Montag (27.09.2010) in Hamburg auf dem Flughafen durch einem Körperscanner. De Maiziere nahm die Körperscanner hier in Betrieb. Zwei Geräte werden für mindestens ein halbes Jahr getestet. Für die P
Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere geht in Hamburg auf dem Flughafen durch einem Körperscanner (Archivfoto, 27. September 2010).
© picture alliance / dpa, Angelika Warmuth, awa wst tig

Sahra Wagenknecht wollte nicht groß über ihren Rückzug sprechen. Sie verwies lieber darauf, dass es einfache Arbeitnehmer viel schwerer hätten als sie, weil sie ständig mit der Angst vor dem Absturz leben müssten. Will hakte nach, denn da war ja auch noch der Dauerstreit in Wagenknechts Partei mit dem Vorstand. "Ich will jetzt nicht nachtreten. Es gab Konflikte, das ist bekannt, aber es nur darauf zu reduzieren, wäre auch nicht richtig."

Thomas de Maizière scheint mit seinem Abschied aus der Politik zufrieden zu sein. Mit ein paar Monaten Abstand sei es vielleicht ganz gut so gewesen, sagte er. Er habe seine "Alltagstauglichkeit" wiederherstellen können. Die Notwendigkeit habe er bemerkt, als er am Flughafen seine Kosmetika nicht in kleine Plastikbeutel gepackt hatte - "obwohl ich die Regel selbst beschlossen hatte."

Wie De Maizière das Ende seiner Laufbahn wegsteckte, wirkte wie Anschauungsunterricht für den Resilienzforscher Klaus Lieb. Bei Resilienz gehe es darum, Rückschläge wegzustecken. Weiterzumachen, wenn es mal nicht läuft. Das sei aber nur die eine Seite. Es gehe auch um die Arbeit selbst. Die müsse auch zu schaffen sein. Es müsse genug Zeit geben, die Akkus wieder aufzuladen.

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© imago images / Jürgen Heinrich, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Dazu konnte Krankenpfleger Alexander Jorde eine Menge erzählen. Pflegende dürfen laut Tarifvertrag zwölf Tage am Stück arbeiten und dabei munter zwischen drei Schichten hin und her wechseln. So sei es möglich, dass jemand an einem Tag bis 21 Uhr arbeite und am nächsten schon um 6 wieder auf der Matte stehen müsse. Ein Einspielfilm zeigte, dass sich die Krankmeldungen wegen psychischer Belastungen in den vergangenen Jahren vervielfacht haben.

Der Druck, den die Pfleger spüren, hat Gründe - der Personalmangel ist einer davon. Ein anderer ist aber auch der Zwang von Krankenhäusern und Pflegeheimen, Gewinne zu erwirtschaften. Für das Personal bedeutet das oft, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu schaffen. Jorde, übrigens SPD-Mitglied, sagte: "Dass Krankenhäuser Gewinne erwirtschaften müssen, ist der totale Fehlanreiz." FDP-Politikerin Suding meinte, der Personalmangel sei das größere Problem.

Was Krankenpfleger und -schwestern wegstecken müssen, ist gewaltig - das wurde in der Sendung deutlich. Da waren sich alle einig - und Wagenknecht und de Maizière waren ebenso einer Meinung, dass man mit den Politikern kein Mitleid zu haben braucht. Obwohl er während der Flüchtlingskrise trotz 40 Grad Fieber stramm stehen musste und sie mal bei einem Parteitag eine Torte ins Gesicht bekommen hatte. Man mache das ja freiwillig, sagte Wagenknecht. Da dürfe man sich nicht beklagen.

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