Weggefährten und Rivalen erinnern sich

Flavio Briatore: "Schumacher war der Pavarotti des Autofahrens"

13. November 2019 - 21:40 Uhr

Doku bei RTL: Zeitzeugen beschreiben das Phänomen Schumacher

Vor 25 Jahren gewann Michael Schumacher seinen ersten WM-Titel in der Formel 1. RTL würdigt den Jahrestag am 13. November ab 20.15 Uhr mit einem großen Schumacher-Abend, der auch bei TV NOW zu sehen ist. Eine Doku rollt das unvergessliche WM-Jahr 1994 auf. Zu Wort kommen viele Protagonisten jener Zeit - Schumi-Verbündete, wie auch Rivalen. RTL.de präsentiert ein paar Appetit-Häppchen.

Wegen Schumi-Sperre: In Hockenheim drohte Waldbrand

Flavio Briatore (1994/95 Michael Schumachers Teamchef bei Benetton-Ford): 

Über Schumachers Talent und die Saison '94:

"Schumacher war der Pavarotti des Autofahrens. Nach dem Tod von Ayrton Senna hat er sich verändert. Er hat ernsthaft überlegt, ob er mit dem Motorsport aufhören soll! Damon Hill war kein Championship-Fahrer! Er hat es komplett versaut!"

"Die Wahrheit ist, wir hatten damals kein Geld, um einen guten Fahrer anzuheuern. Einen Weltmeister, einen Star. Die haben uns doch alle ausgelacht. Deshalb mussten wir uns nach einem Talent umschauen! Für die Formel 1 waren wir eine Gefahr. Ein T-Shirt-Hersteller, der die ganzen Legenden schlägt. Die haben sich die ganze Zeit beschwert. Über uns gelacht. Aber wenn sie dann Michael im Auto gesehen haben, haben sie alle die Klappe gehalten!"

Bildnummer: 04010474  Datum: 13.11.1994  Copyright: imago/LAT PhotographicMichael Schumacher (Deutschland, Mitte) - Weltmeister 1994 mit Teamchef Flavio Briatore (Italien / beide Benetton Ford, re.) - PUBLICATIONxINxGERxONLY (LAT200108020166); Vdia,
Mit Flavio Briatore (r.) als Benetton-Teamchef wurde Michael Schumacher zweimal Weltmeister
© imago sportfotodienst, imago

Zur Schumi-Sperre nach dem Flaggen-Skandal von Silverstone (Schumacher ignorierte auf Anweisung seines Teams eine Schwarze Flagge, wurde disqualifiziert und für zwei Rennen gesperrt, d. Red.):

"Das war eine Manipulation! Sehr unfair! Sie wollten uns fallen sehen - Max Mosley (damals FIA-Präsident, die Red.) hat uns verarscht. Teuflisch!"

Zur Situation vor Schumachers Heim-GP in Hockenheim 1994, für den der Deutsche ursprünglich gesperrt werden sollte:

"Vor dem Grand Prix in Deutschland hat mich der Bürgermeister von Hockenheim angerufen. Er sagte: Mr. Briatore, sie müssen starten. Sonst wird es ein Desaster, sonst wird es gefährlich. Die Menschen haben die Straße blockiert, sie wollten Wald anzünden. Ich musste Michael auf meinem Rücksitz verstecken im Auto!"

Jubel im Hause Vettel

ARCHIV - 25.11.2012, Brasilien, São Paulo: Der deutsche Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel (l) feiert mit Michael Schumacher im Autodromo Jose Carlos Pace seinen dritten Weltmeistertitel in Folge. (zu dpa "Vettel erinnert sich an Momente mit Vorbild Sc
Michael Schumacher gefiel sich zum Ende seiner Karriere auch als ehrlicher Ratgeber für den jungen Sebastian Vettel
© dpa, Jens Büttner, jbu nic kno

Sebastian Vettel (viermaliger F1-Weltmeister, 1994 sieben Jahre alt): 

Über seine Erinnerungen an das WM-Finale in Adelaide:

"Ich kann mich noch erinnern, als die zwei kollidierten und Michael ausfiel. Wie er gezittert hat, vor dem Ungewissen stand. Als dann klar war, dass Damon Hill einen Defekt hatte, waren mein Vater und ich zuhause ganz aus dem Häuschen."

Ich glaube, der Ehrgeiz, diese Willensstärk, die Leidenschaft für den Sport und dieses Verlangen nach mehr hat ihn angetrieben bis zum Schluss. Sich selbst zuerst wahrnehmen, bevor man die anderen wahrnimmt und sich ständig zu hinterfragen - in der Hinsicht war er ein Ausnahmesportler. Das ist der entscheidende Grund, warum er so erfolgreich war."

Senna sah den Ausnahmefahrer kommen

14.09.2003 Monza, Italien,F1 in Monza, Sonntag, VIP, Podium, Ross Brawn (Ferrari, Technischer Direktor, Technical Director), Portrait und Michael Schumacher (D, Ferrari) - Formel 1 Grand Prix (GP) von Italien 2003 (Autodromo Nazionale Monza, Italy) -
Mit Ross Brawn an seiner Seite gewann Schumacher in seiner Zeit bei Ferrari fünf WM-Titel in Serie (1999-2004)
© XPBCC, xpb.cc

Gerhard Berger (zehnmaliger GP-Sieger, 1994 bei Ferrari): 

Über Schumachers erste Formel-1-Jahre:

"Wer so richtig den Instinkt gefühlt hat, was da für ein Kaliber kommt, das war der Ayrton. Michael hat von Anfang an viel aggressiver agiert, als wir alle zusammen. Wir haben den Schumacher nicht so doll gefunden. Der war halt mit allen Wassern gewaschen! Der Michael hatte von Anfang an einen extremen Killerinstinkt. Er hat vom Kart-Sport diesen ganzen Schliff mitbekommen, wie man an die Grenze und darüber hinaus geht, wie man jede Grauzone ausnutzt."

Heinz-Harald Frentzen (WM-Dritter 1999, Schumacher-Rivale)

Über Schumachers Ehrgeiz:

"Motorsport war alles für ihn, es war sein Leben. Der Michael mit elf Jahren - du konntest ihm ansehen, dass er schon das Messer zwischen den Zähnen hat! Einmal waren wir Billard spielen nach dem Rennen. Für mich war das eine Art Entspannung, aber für Michael hieß das: Ok, jetzt kriege ich ihn beim Billard spielen. Ich kann mich erinnern, wie ernst er war. Er wollte immer der Beste sein. Michael hat diese ganze Formel-1-Welt gedreht!"

Ross Brawn (bei Benetton und Ferrari Schumachers Chefstratege):

Über Schumachers Einstellung:

"Michael war besessen. Egal, wann ich ihn angerufen habe: Er war sofort da, um das Auto zu testen. Er hat sich Tag und Nacht mit Rennsport auseinandergesetzt!"

Die Michael-Schumacher-Story: Mittwoch, 13.11., 20:15 Uhr bei RTL, ab 21.15 Uhr online abrufbar bei TVNOW