Ein Star, der polarisiert

Franck Ribéry - nicht jedermanns Liebling

Bundesliga - Bayern Munich v Freiburg
© REUTERS, ANDREAS GEBERT, sw

07. April 2020 - 17:29 Uhr

Alles Gute, Franck Ribéry!

Franck Ribéry hat heute Geburtstag. Seine Geschichte ist die von einem Fußball-Helden, der schwer polarisiert. Warum eigentlich? Eine Spurensuche.

Von Sebastian Fuhrmann

Die ersten Glückwünsche sind schon am Morgen da. Jérôme Boateng gratuliert seinem alten Bayern-Spezi bei Instagram. "Wach auf. Heute ist dein Geburtstag", schreibt der ehemalige Nationalspieler. Obendrauf gibt's ein Video aus alten Zeiten. Boateng sitzt im Mannschaftsbus hinter Ribéry, der mit offenem Mund eingeschlafen ist. Er schneidet Grimassen und lacht sich halb schlapp. Ein beliebtes Späßchen, das in diesem Fall Symbolcharakter hat. Denn in München hatten sie viel Spaß mit dem Franzosen, der 37 Jahre alt wird.

Triple-Sieger 2013

Ribéry steht für eine Ära, die 2013 im Gewinn der Champions League gipfelte. 2:1 schlug der spätere Triple-Sieger (Champions League, Meisterschaft und Pokal) Borussia Dortmund, damals  noch mit Jürgen Klopp an der Seitenlinie, im riesigen Wembley-Stadion zu London. Der Erfolg schmeckte umso süßer, weil die Münchner im Jahr davor das "Finale dahoam", das Endspiel der Champions League im eigenen Stadion, versemmelt hatten. Der FC Bayern fiel und stand wieder auf. Ribéry wurde Europas Fußballer des Jahres und hatte spätestens da Legenden-Status an der Isar.

Traum drohte zu platzen

Die großen Niederlagen, auf die Triumphe folgten - all das war auch Ribéry. Das war seine Geschichte. Als Zweijähriger erlitt er bei einem Autounfall schwere Verletzungen im Gesicht, die ihn bis heute zeichnen. In seiner Jugend wurde er deswegen häufig gehänselt. Und jeder kennt die Legende vom jungen Ribéry, der als Straßenarbeiter seine Brötchen verdiente. Die Geschichte davon, wie sein Traum, Profi zu werden, zerplatzte. Eigentlich der perfekte Nährboden für eine Everybodys-Darling-Geschichte. Vom Typen, den man cool finden muss, weil er mit harter Arbeit nach oben kam. Eine Geschichte des Gönnens. Außerhalb Bayerns aber taten sich viele Leute schwer mit dem Franzosen.

Skandale um Ribéry

Die Karriere von Ribéry ist nicht frei von Skandalen. Er gehörte zu der Auswahl seines Landes, die bei der WM 2010 in Südafrika eine Trainingseinheit sausen ließ, nachdem einige Spieler öffentlich heftig mit dem damaligen Trainer Raymond Domenech aneinandergeraten waren. Das ist noch freundlich formuliert, denn das, was Spieler dem Trainer an den Kopf geworfen haben sollen, übersteigt die Grenze des Zitierbaren. Frankreich schied ohne Sieg und mit nur einem geschossenen Tor sang- und klanglos aus. Ein Debakel. Ein "grand Malheur". Ribéry gehörte damals zum Mannschaftsrat. Von einer Disziplinarkommission wurde er für drei Spiele aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen.

Im Jahr davor wurde Ribéry in seiner Heimat angeklagt, Sex mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben. Ribéry wurde 2014 freigesprochen, aber der Fall blieb in den Köpfen der Leute.

Heißes Temperament

Auf dem Platz war Ribéry ein Heißsporn, was ihn weitere Sympathien kostete. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Flügelflitzer in seiner Zeit bei den Bayern nur zweimal glatt Rot sah. Es gibt solche, die das für eine Verschwörung halten: Die Schiedsrichter hätten pro Ribéry gepfiffen. Das Pokalfinale 15/16 gegen Dortmund wird da gerne als Beispiel herangezogen. Ribéry verpasste Julian Weigl nach einem Tritt einen Ellbogen-Check, steckte Gonzalo Castro einen Finger ins Auge, aber sah nur Gelb.

Das goldene Steak

Bei Instagram zeigt sich Ribéry als König auf einem Thron. Als einer, der seinen Reichtum zur Schau stellt. Objektiv muss man ihm einen merkwürdigen Kleidungsstil attestieren, der wiederum viele dazu anstiftet, Ribéry in die Schublade "neureicher Flegel" einzusortieren. Kritiker sahen sich bestätigt, nachdem der Franzose bei Star-Koch "Salt Bae" ein vergoldetes Steak verspeist und Bilder davon bei Instagram präsentiert hatte. Als die Kritiker sich daraufhin auf ihn einschossen, explodierte der Vulkan. Ribery beleidigte, so vulgär es nur geht, seine Kritiker - und deren Familienstammbäume.

Seine Fans werden sagen, Ribéry habe sich nie verstellt. Seine Kritiker, er habe nichts dazugelernt.