Ex-CIA-Agentin will Twitter kaufen und Donald Trump verbannen – ein falscher Weg

Ex-CIA-Agentin Valerie Plame Wilson.
Ex-CIA-Agentin Valerie Plame Wilson.
© dpa, Jonathan Short, JS JRM**LON** fgj

24. August 2017 - 14:37 Uhr

Ein Kommentar von Marlena Busch

Die Ex-CIA-Agentin Valerie Plame Wilson will US-Präsidenten Donald Trump von Twitter verbannen. Sie sagt: "Es ist Zeit, ihn zum Schweigen zu bringen." Wilson will Anteile der Plattform kaufen, um dann das Konto des Präsidenten sperren zu können. Dafür startete sie letzte Woche eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel eine Milliarde Dollar zu sammeln – so viel hat sie bei Weitem noch nicht zusammen.

Wilson selbst wurde im Jahr 2003 durch Vertreter der Regierung von George W. Bush als CIA-Agentin enttarnt. Ihr Mann, damaliger US-Botschafter im Irak, hatte zuvor den Irak-Feldzug öffentlich heftig kritisiert und sollte mundtot gemacht werden. Nun einen anderen Präsidenten zum Schweigen bringen zu wollen, kann in einer Demokratie nicht der richtige Weg sein.

Eine mutige Frau

Liebe Frau Wilson, eines vorweg: Ich finde, Sie haben wirklich Mumm! Vor gut 14 Jahren war es Ihr Mann, der sich gegen die Bush-Regierung stellte, öffentlich kundtat, was er wusste und dachte - ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen. Die bekamen letztendlich Sie zu spüren: Hochrangige Regierungs-Mitarbeiter sorgten dafür, dass Ihre geheime Identität als CIA-Agentin aufflog. Weil Ihr Mann aussprach, was er dachte, standen Sie am Pranger und mussten untertauchen.

Nicht der richtige Weg

Und dennoch - oder vielleicht auch gerade deshalb - stellen Sie sich heute wieder öffentlich gegen einen Präsidenten. Einen Präsidenten, der offene, rassistisch motivierte Gewalt verharmlost, sich selbst rassistisch und frauenfeindlich äußert.

Sie möchten einen Präsidenten aufhalten, der die globale Erderwärmung als wirtschaftlich motiviertes Konstrukt abtut, der Einwanderer aus Mexiko als Kriminelle pauschalisiert, Journalisten öffentlich beschimpft und ihnen den Mund verbietet.

Ja, die Liste der Gründe, warum Donald Trump rein gar nichts auf dem Posten des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten zu suchen hat, ist lang. Der Drang, diesen Menschen, der viele unserer westlichen Werte mit Füßen tritt, wie Sie sagen "zum Schweigen zu bringen", ist absolut nachvollziehbar. Doch es ist nicht der richtige Weg.

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Nicht auf gleiches Niveau begeben

Abgesehen davon, dass der Erfolg Ihrer Crowdfunding-Kampagne unwahrscheinlich ist: Mit dem Versuch, Donald Trump auf Twitter zu stoppen, stellen Sie sich auf eine Stufe mit demjenigen, den Sie so sehr für sein undemokratisches Verhalten verurteilen. Ihm den Mund zu verbieten, wäre genauso ein Angriff auf freie Meinungsäußerung wie Sie es vor 14 Jahren erlebt haben.

Ich verstehe Ihre Sorge in Bezug auf die unüberlegten politischen Äußerungen des Präsidenten. Eine demokratische Plattform wie Twitter hat eben auch eine Kehrseite: Trump kann dort diejenigen erreichen, die sich von nationalistischen Parolen und der vermeintlichen Nähe zu ihrem Präsidenten mitreißen und begeistern lassen.

Donald Trump stolpert und fällt

Doch genauso ist jede einzelne seiner unberechenbaren Äußerungen für alle Welt sichtbar. Für Politiker, Journalisten, Bürger, die für Demokratie und westliche Werte stehen und sich für diese einsetzen. Lassen Sie den Präsidenten Mal für Mal über seine 140 Zeichen stolpern, bis er sich am Ende selbst zu Fall bringt. Denn dort im öffentlichen Raum – und das ist das Gute an Sozialen Medien – kann niemand mundtot gemacht werden. Kann jeder seine Wahrheit aussprechen. Und vielleicht sind es ja genau diese unbedachten Äußerungen, die dafür gesorgt haben, dass Donald Trump bereits nach einem halben Jahr im Amt zu den unbeliebtesten Präsidenten Amerikas zählt.

Gerade Ihre Geschichte dürfte Sie doch gelehrt haben, dass es der falsche Weg ist, Menschen zum Schweigen zu bringen.