Ex-Bundespräsident Wulff zurück im Rampenlicht: "Der Rücktritt war falsch"

10. Juni 2014 - 20:42 Uhr

"Ich wäre auch heute der Richtige im Amt"

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff war mal "ganz oben" und kurze Zeit später dann "ganz unten". Und genau so hat er auch sein Buch betitelt, das der 54-Jährige jetzt vorgestellt hat. Darin schildert er seine Sicht des Debakels in Schloss Bellevue. Bei der Pressekonferenz zur Buchvorstellung rechnete Wulff ab und nutzte das Rampenlicht für markige Worte: "Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt."

"Ich wäre auch heute der Richtige im Amt"
Ex-Bundespräsident Wulff auf der Pressekonferenz zu seiner Buchvorstellung
© REUTERS, THOMAS PETER

Vor seinem Rücktritt 2012 hätten sich Justiz und Medien die Bälle zugespielt und gegen das Prinzip der Gewaltenteilung verstoßen, sagte Wulff. Darin liege eine ernste Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Hannover habe mit leeren Händen dagestanden und sich hochproblematisch verhalten. Und die an diesem Donnerstag auslaufende Frist für eine Revision nach dem Freispruch schöpfe sie bis zum allerletzten Tag aus.

Wulff betonte, er habe sich stets rechtlich korrekt verhalten. Sein Freispruch sei auch ohne Wenn und Aber erfolgt. Er selbst will sein Buch aber nicht als Abrechnung verstanden wissen: "Ich schildere, wie sich die Affäre aus meiner Sicht darstellt."

Ist rechtlich korrektes Verhalten genug?

Dennoch: Viele sind der Ansicht, dass es eben für ein Staatsoberhaupt nicht reicht, sich rechtlich korrekt zu verhalten - auch moralisch muss er einwandfrei vorgehen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgehalten, als niedersächsischer Ministerpräsident Vorteile im Amt angenommen zu haben. Es ging zuletzt um rund 720 Euro Hotel- und Bewirtungskosten. Von dem befreundeten Filmfinancier David Groenewold hatte er sich 2008 zu einem Oktoberfestbesuch einladen lassen und später für ein Projekt Groenewolds bei Siemens geworben.

Wulff war am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen infolge der Affäre als bislang jüngster Bundespräsident zurückgetreten. Das Landgericht Hannover hatte den heute 54-Jährige Ende Februar vom Vorwurf der Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident freigesprochen.