Erst ihre Hunde, dann ihre Existenzgrundlage

Ex-Anwältin verliert alles und erhebt schwere Vorwürfe gegen Kieler Staatsanwältin

14. August 2020 - 19:13 Uhr

Ihre Hunde beschlagnahmt, ihr Ruf zerstört

Es ist der 22.4.2013 – der Tag, der das Leben von Verena Rottmann auf den Kopf stellt. Sie ist damals noch Rechtsanwältin. Ihr Fachgebiet: Tierschutzrecht. Außerdem besitzt sie selbst drei Doggen. Aber die werden an diesen Tag beschlagnahmt – durch Maya S. von der Staatsanwaltschaft Kiel, behauptet Verena Rottmann heute: "Ich hatte seit 1976 Doggen und habe sie auch gezüchtet. Und in all der Zeit gab es nicht einmal eine Kontrolle bei mir, es gab keine Beschwerden gegen mich, auch nicht als Züchterin, es kam aus heiterem Himmel. Sie kamen an, um mir die Hunde wegzunehmen."

Es folgt eine Anklage wegen Tierquälerei

Aus der Sicht der damaligen Anwältin fehlt die rechtliche Grundlage für die Beschlagnahmung. Ihre drei Doggen kommen anschließend in Pflegestellen. Zwei ihrer Hunde sterben dort, ihren dritten Hund bekommt sie zwar später zurück, aber auch er stirbt nur Tage danach, erzählt Verena Rottmann. Aber das ist nicht alles: Die damalige Rechtsanwältin wird wegen Tierquälerei angeklagt, aber schließlich freigesprochen. "Anschließend gab es im Internet, speziell auf Facebook, einen Shitstorm gegen mich, ich wurde als Tierquälerin, als Tiermörderin bezeichnet. Und dann kann man sich vorstellen, dass zu einer Anwältin, die auf Tierschutzrecht spezialisiert ist, kein Mandant mehr kommt." Verena Rottmann verliert nicht nur ihre Hunde, sondern auch ihre Zulassung als Anwältin. Welche seelischen Folgen das für Verena Rottmann hat, erzählt sie im Video.

„Meine Hunde waren die Geiseln“

Verena Rottmann hat früher Tierbesitzer gegen die Staatsanwaltschaft Kiel vertreten. "Ich war für die Staatsanwaltschaft Kiel unbequem", sagt die ehemalige Anwältin für Tierschutz. "Natürlich war ich unliebsam, ich galt da als schwierige Juristin, das weiß ich und die konnten auch schwer ertragen, wenn ich gesagt habe: Das, was sie da tun im Tierschutzrecht, ist rechtswidrig. (…) Und ich denke mal, das war der bequemste Weg mich auszuschalten, indem man mich selber als Tierquälerin darstellt." Verena Rottmann ist sich heute sicher: "Die Hunde waren quasi die Geiseln, die man genommen hat, um mich zu schädigen. Jeder wusste, dass die Doggen bei mir ganz oben standen. Das war meine selbstgewählte Familie. Und wenn man mir die Hunde nimmt, dann nimmt man mir im Grunde das Leben." Mittlerweile ist sie von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen gezogen und lebt vorübergehend bei Freunden. Dem Rechtssystem in Schleswig-Holstein traut sie nicht mehr. "Natürlich wird man mir das nicht verzeihen, dass ich das Ganze öffentlich gemacht habe. Und mich auch ans Justizministerium gewandt habe."

Klage gegen das Land Schleswig-Holstein

Verena Rottmann führt einen Schadensersatzprozess gegen das Land Schleswig-Holstein: "Weil ja meine gesamte Existenz vernichtet wurde und ich war nun mal über 30 Jahre insgesamt Rechtsanwältin." Sie kämpft jetzt seit sieben Jahren. "So ein Unrecht was da geschehen ist, das muss bestraft werden. Das kann so nicht weiter gehen. Ich bin ja auch diejenige, die dafür verantwortlich ist, dass die Staatsanwältin Maya S. auf der Anklagebank sitzt." Maya S. wurde mittlerweile der Prozess gemacht und die Staatsanwältin wurde freigesprochen.