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Eurovisions-Eklat: Es kümmert ihn nicht – gut so!

Eurovisions-Eklat: Es kümmert ihn nicht – gut so!

Ein Kommentar von Sebastian Werner

Ja, es war ein unangenehmer Moment, ein Eklat: Für ihn selbst, für die Moderatorin – auch für die Zweitplatzierte Ann Sophie und natürlich für die Zuschauer des Eurovision-Vorentscheides. "Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen", sagte Andreas Kümmert ausgerechnet, als er umjubelt seinen Siegersong für Wien noch mal performen sollte. Was soll das, fragt man sich? Ja vielleicht, aber wichtiger ist etwas anderes – er setzt damit ein Zeichen.

Andreas Kümmert ESC Vorentscheid Hannover
Andreas Kümmert hat sich einen Gefallen getan - meint Sebastian Werner in seinem Kommentar.
dpa, Peter Steffen

Kümmert ist der Prototyp eines Künstlers, der vielleicht auf eine große Bühne passt, wenn ihm genug Menschen zuhören wollen – aber nicht auf die Eurovisionsbühne mit einer durchchoreografierten Show, in der oftmals das Drumherum wichtiger ist als die Stimme.

Vielleicht hätte Kümmert schon vorher erkennen können, dass ihm das alles zu viel wird. Oder hat er es erkannt, aber nicht mit dem Sieg gerechnet? Er hat sich dazu bisher nicht geäußert, die Fragen bleiben im Raum. Aber: In dem Moment, in dem er zum Sieger gekürt wurde, zog er für sich ganz persönlich die Notbremse - und dafür gebührt ihm großer Respekt.

Denn in unserer Leistungsgesellschaft würden die meisten Menschen in so einer Situation den Kopf einziehen und versuchen, mit den Konsequenzen zu leben. Nicht selten endet das im Burn-Out. Eine Reaktion so gegen den Mainstream wie die von gestern Abend kann aufrütteln und etwas bewirken.

Und einfach hat er es sich auch nicht gemacht: Die Kritik, die jetzt auf ihn einprasselt, wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Aber das geht vorüber – und Andreas Kümmert ist er selbst geblieben.

Lesen Sie auch den Kommentar von Thomas Ziemann, der für Kümmerts Verhalten kein Verständnis hat.

Sebastian Werner ist gebürtiger Hamburger und studierte Angewandte Medienwirtschaft an der 'medienakademie', wobei er sich besonders für den journalistischen Teil begeistern konnte. Das brachte ihn zu RTL interactive, wo er heute Chef vom Dienst der Nachrichtenredaktion ist. Er schätzt vor allem Themen, die die Menschen bewegen – oder bewegen sollten. Diese findet er im „echten“ Leben mit seiner Familie in Köln – und im „digitalen“ Leben in den verschiedenen Social Networks.