Europäische Super-Liga?

Dann macht es doch einfach!

Mehr als 12 Teams sollen über eine europäische Super-Liga verhandeln
Mehr als 12 Teams sollen über eine europäische Super-Liga verhandeln
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21. Oktober 2020 - 10:56 Uhr

"European Premier League" - ein Kommentar

Europäische Super-Liga, die nächste Runde. Einem Bericht zufolge brüten mehr als ein Dutzend Teams aus Europas Topligen über einem neuen Super-Liga-Plan. Man möchte ihnen zurufen: Macht es doch einfach – aber dann bitte richtig!

Mehr Knaller-Duelle, mehr Geld

Die Corona-Krise hat den Profifußball und dessen Einnahmestrukturen mächtig durchgerüttelt. Die Clubs stehen vor einer ungewissen Zukunft. Während auf der einen Seite eine Handvoll Clubs eine Neuverteilung der Medienneinnahmen anregt, um gerade die 2. Liga zu stärken, ließ auf der anderen Seite Sky News die Bombe aus einer ganz anderen Richtung platzen.

Einige europäische Top-Teams feilen offenbar an einer sogenannten European Premier League, in der Europas Elite in einer eigenen Blase den König des Kontinents ausspielt. Schon 2018 waren ähnliche Pläne bekannt geworden, die aber verpufften.

Der Gedanke wabert also schon länger durch die Köpfe der Macher, der Reiz ist klar: Mehr Knallerduelle à la Liverpool - Bayern, PSG – Dortmund lassen sich besser vermarkten als PSG - Straßburg oder Bayern - Mainz. Also: lukrative Pay-TV-Deals, mehr Einnahmen, höherer sportlicher Wettbewerbswert. So weit, so verständlich.

Konsequent wäre dann der Austritt

Dann sollten die Clubs aber auch so konsequent sein und den heimischen Ligen "Servus", "Au revoir", "Adios", "Bye Bye" und "Arrividerci" sagen. Denn ein Duo Bayern/Dortmund, das in dieser hypothetischen Liga noch mehr Geld abgreift (allein dem Sieger winken 100 Millionen Dollar) und dann in der Liga die Vormachtstellung weiter zementiert, bringt die Fans zum Gähnen.

Das Gleiche gilt für PSG in Frankreich, Juve in Italien oder die englischen Clubs. In den kolportierten Plänen ist dies aber nicht der Fall. Die Teams sollen nebenbei noch in den nationalen Ligen antreten. Dabei wäre es ja konsequenter, wenn die Beletage dann komplett unter sich bleibt – womöglich entstünde in den Ligen so wieder mehr Spannung.

Zudem stellt sich die Frage: Was passiert dann mit der Champions League? Das fragt sich offenbar auch die UEFA, die in europäischen Belangen eigentlich das Sagen hat. Der Verband reagierte gereizt und genervt – während die FIFA die Pläne angeblich dufte findet und unterstützt. Die Fragen würden sich schon stellen: Gibt es eine Gegen-Champions-League oder wird die Königsklasse, wie wir sie bisher kennen, ganz abgeschafft? Die Super League könnte sich noch zu einem Graben- und Machtkampf zwischen den mächtigen Verbänden entwickeln.

Emmanuel Schneider