Europa-League-Irrsinn in Bern

Bayer Leverkusen schafft irres Comeback - und verliert doch noch

Patrik Schick bei einem seiner Treffer.
Patrik Schick bei einem seiner Treffer.
© dpa, Anthony Anex, pk

18. Februar 2021 - 21:48 Uhr

Bayer steht wieder auf, aber Bern jubelt spät

Bayer Leverkusen hat dank einer furiosen Aufholjagd bei den Young Boys Bern weiterhin Chancen auf das Achtelfinale der Europa League. Danach hatte es bei der 3:4-Niederlage allerdings zunächst gar nicht ausgesehen. Denn Leverkusen lag zur Pause 0:3 hinten, startete aber ein Comeback in einem verrückten Fußballspiel.

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Young Boys Bern – Bayer Leverkusen: 4:3 (3:0)

1:0 Fassnacht (3.), 2:0 Siebatcheu (19.), 3:0 Elia (44.), 3:1 Schick (49.), 3:2 Schick (52.), 3:3 Diaby (68.), 4:3 Siebatcheu (89.)

Jonathan Tah konnte dem neutralen Zuschauer in der ersten Hälfte leidtun. Der Leverkusener Verteidiger musste in ein Laufduell nach dem anderen, um die Angriffe von Bern irgendwie noch zu stoppen. Lautstark versuchte der Hüne, seine Mitspieler wachzurütteln.

Die vielen brenzligen Situationen für die Leverkusener kamen dadurch zustande, dass Bern das Mittelfeld immer wieder schnell überbrückte, Bayer so in Bedrängnis brachte.

Begünstigt wurde das durch die Aufstellung der Gäste. Trainer Peter Bosz hatte seine Mannschaft extrem offensiv ins Rennen geschickt. Im Mittelfeld spielten Florian Wirtz, Kerem Demirbay und Nadiem Amiri – allesamt keine Defensiv-Experten. In Hälfte eins fanden die Leverkusener so nicht zur nötigen Stabilität.

Früher Schock für die Werkself

Die ersten Treffer allerdings fielen nach Standards. Beim 1:0 nach nur drei Minuten versenkte Christian Fassnacht den Ball nach einer Ecke per Volley aus der Nähe des Elfmeterpunkts, vor dem zweiten Tor war Tah unter einer Ecke durchgetaucht. Hinter ihm köpfte Jordan Siebatcheu ein. Gerade mal 19 Minuten standen da auf der Uhr.

Das 3:0 kurz vor der Pause erzielte dann Meschack Elia, nachdem sich Aleksandar Dragovic bei einem hohen Ball verschätzt hatte.

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Bockstarker Underdog aus Bern

Spätestens in der Halbzeit war wohl jedem klar, dass der vermeintliche Underdog, der auf dem besten Weg zur vierten Meisterschaft in der Schweiz in Serie ist, Fußball spielen kann. Trainer Gerardo Seoane hat längst das Interesse von Clubs aus den europäischen Topligen auf sich gezogen. Bei Borussia Mönchengladbach wird der 42-Jährige als Nachfolger von Marco Rose gehandelt, der nach der laufenden Saison zu Borussia Dortmund wechselt.

Den Sprung aus Bern in die Bundesliga machte zuvor schon Adi Hütter, Seoanes Vorgänger wechselte nach seiner Meisterschaft mit Bern zu Eintracht Frankfurt. Auch etliche Spieler fanden von den Young Boys aus den Weg nach Deutschland; zum Beispiel Denis Zakaria von Mönchengladbach oder Kevin Mbabu, der nach Wolfsburg ging.

Und dann kam Leverkusen zurück

Zur zweiten Halbzeit brachte Bosz mit Edmond Tapsoba einen Verteidiger für Amiri ins Spiel. Und noch bevor man eine seriöse Bewertung vornehmen konnte, ob der Wechsel denn etwas gebracht hatte, traf Bayer auch schon – und zwar doppelt!

Patrik Schick sprang vor seinem ersten Treffer höher als sein Gegenspieler und köpfte ein, auch das 2:0 erzielte der 25-Millionen-Stürmer mit dem Kopf, nachdem Berns Keeper einen Kopfball von Tah zur Seite hatte abprallen lassen.

Aber Bern packte es doch noch

Das Spiel hatte plötzlich zwei völlig unterschiedliche Hälften. Bayer, das zunächst auf keinen grünen Zweig kam, war plötzlich dominant. Moussa Diaby war es dann, der zum 3:3 traf, nachdem er einen hohen Ball von Wirtz erlaufen und mit einem Heber verarbeitet hatte. Das kleine Bayer-Wunder, es schien perfekt.

Bern musste sich ärgern, einen dicken Vorsprung leichtfertig verspielt zu haben – auch, wenn Siebatcheu kurz vor Schluss noch den Siegtreffer erzielte und so auch das vermeintliche Leverkusener Wunder zunichte machte.

Leverkusener Stimmen zum Spiel

"Wir haben es in der ersten Halbzeit einfach nicht gut umgesetzt und deshalb drei Tore gekriegt", sagte Kapitän Tah nach dem Match. "Wir haben in der zweiten Halbzeit Mentalität gezeigt und gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind. Trotzdem ist es enttäuschend, dass wir am Ende noch verlieren."

"Ich kann mich kurz fassen: Wir haben sehr schlecht angefangen, ärgerlich schlecht angefangen. Die zweite Halbzeit war ein bisschen besser. Unsere Leistung in der ersten Halbzeit kann ich mir nicht erklären. Wir hatten keinen Zugriff, haben zwei Standards amateurhaft verteidigt. Wenn man so verteidigt, so die Bälle verliert, dann bekommt man auch keinen Zugriff. Unsere Ausgangsposition fürs Rückspiel ist deutlich: Wir müssen das Spiel gewinnen, sonst nichts", befand Bayer-Trainer Bosz.

So haben sie gespielt

Bern von Ballmoos - Hefti, Lustenberger, Zesiger, Lefort (74. Sulejmani) - Aebischer, Lauper (80. Rieder) - Fassnacht (80. Gaudino), Ngamaleu (58. Garcia) - Elia (73. Mambimbi), Siebatcheu.

Leverkusen Lomb - Frimpong, Tah, Dragovic, Sinkgraven - Demirbay - Amiri (46. Tapsoba), Wirtz - Bailey (65. Diaby), Schick, Gray.