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Euro-Krise: Schutz für Europas Banken

Euro-Krise: Schutz für Europas Banken

Beratung über Euro-Rettungsschirm

Viel Zeit bleibt den Euro-Ländern wohl nicht mehr, um die europäischen Banken vor einer erneuten Krise zu retten. Einen wichtigen Schritt in Richtung Bankenrettung wollten heute Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy gehen: Bei einem gemeinsamen Treffen in Berlin besprachen sie ihr weiteres Vorgehen in der Euro-Krise. Sie verständigten sich, gemeinsam Europas Banken in der Euro-Schuldenkrise verteidigen zu wollen.

Merkel trifft Sarkozy in Berlin
Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy treffen sich in Berlin, um ihre Haltungen über die Arbeitsweise des EFSF und das weitere Vorgehen in der Bankenkrise zu besprechen.
REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Beide Länder seien sich ihrer Verpflichtung bewusst und seien entschlossen, das Nötige zu tun, um die Rekapitalisierung der Banken sicherzustellen, sagte Merkel. Die Banken brauchen dringend mehr Kapital, um für eine wahrscheinliche Pleite Griechenlands gewappnet zu sein. Sarkozy betonte, bis Ende des Monats müsse dauerhaft eine Antwort auf die Krise gefunden werden.

Deutschland und Frankreich wollen bis Ende Oktober ein "Gesamtpaket" zur Lösung der Euro-Schuldenkrise und zur Stützung von Europas Banken vorlegen. Diese dauerhafte Lösung solle dann auf dem G20-Gipfel im französischen Cannes Anfang November präsentiert werden - zusammen mit einer neuen Vision für Europa, wie Sarkozy betonte.

Über den EFSF gebe es keinen Streit, wurde betont. Merkel und Sarkozy unterstrichen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleiben soll. Beide zeigten sich zuversichtlich, dass die Slowakei am Dienstag dem erweiterten Euro-Rettungsschirm EFSF zustimmen wird und der Fonds rasch voll einsatzbereit ist.

Kurz vor dem Treffen hat die Bundesregierung einen Bericht dementiert, dass sich Deutschland und Frankreich auf eine Absprache in der Schuldenkrise verständigt hätten. Laut Berichten der ’Welt am Sonntag’ akzeptiere Deutschland einen flexibleren Euro-Rettungsschirm EFSF, während Frankreich einen Schuldenschnitt für Griechenland mittrage. "Eine solche Absprache gibt es nicht", hieß es aus Regierungskreisen. Tatsächlich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vergangenen Dienstag vor einem Schuldenschnitt und einer Insolvenz Griechenlands sowie den verheerenden Folgen gewarnt.

Weitgehende Einigkeit herrscht in der Euro-Gruppe dagegen bei der erneuten Überprüfung der Zahlen für das zweite Griechenland-Hilfspaket. Sobald die ’Troika’ aus IWF, EZB und EU ihr Urteil über die Schuldentragfähigkeit Griechenlands vorgelegt hat, soll das zweite Hilfspaket noch einmal analysiert werden.

Berlin-Treffen löst Verunsicherung aus

Kurz vor dem Merkel-Sarkozy-Treffen in Berlin herrscht in Griechenland große Verunsicherung. Für das vor der Staatspleite stehende Land nähere sich eine schmerzhafte Lösung - davon waren fast alle griechischen Sonntagszeitungen überzeugt. “In die Richtung einer Endlösung“, titelte das den regierenden Sozialisten nahestehende Sonntagsblatt ’To Vima’. “Merkel und Sarkozy entscheiden ohne uns über einen "Haircut" von 50 Prozent.“ Damit ist ein Schuldenschnitt gemeint, bei dem die Gläubiger auf die Hälfte ihres den Griechen geliehenen Geldes verzichten müssten.

Ähnlich lautet der Tenor in der konservativen Athener Zeitung ’Kathimerini’: Griechenland segele “in unbekannte Gewässer“, in Berlin werde das Thema des “großen Schuldenschnitts“ besprochen. “Entscheidungen für uns ohne uns“, titelte die linksliberale Zeitung ’Eleftherotypia’. Umfragen zufolge rechnen rund zwei Drittel der Griechen damit, dass die Zahlungsunfähigkeit ihres Landes kurz bevorsteht.