Euro-Krise: Moody's versetzt Spanien neuen Tiefschlag

21. Juni 2012 - 7:49 Uhr

Deutscher Bankenverband sieht spanische Entwicklung positiv

Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit Spaniens nach dem Antrag auf EU-Hilfe für den kriselnden Bankensektor deutlich schlechter ein. Die Bonitätswächter bewerten das südeuropäische Land nun drei Stufen schlechter als zuvor.

Euro-Krise, Spanien, Griechenland
Nach Fitch senkt auch Moody's die Bonität Spaniens fast auf Ramschniveau
© dpa, Andrew Gombert

Die Umsetzung der Rettungspläne für die maroden Banken würden den Schuldenstand Spaniens weiter erhöhen, hieß es zur Begründung. Moody's prüft eine weitere Herabstufung. Diese könnte in den kommenden drei Monaten erfolgen.

Die Agentur verwies in ihrer Begründung zudem auf die schwächelnde Wirtschaft und einen "sehr eingeschränkten" Zugang der Regierung zu den internationalen Schuldenmärkten. Eine Moody's-Analystin ergänzte, Spanien könnte mehr internationale Hilfen beantragen, sollte sich die Unterstützung für die Geldhäuser als unzureichend erweisen.

Auch Zypern wurde von Moody's herabgestuft, um zwei Noten. Auch hier könnte eine weitere Herabstufung folgen. Grund seien die gestiegenen Risiken für Zypern, die von Griechenland ausgingen. Zypern steckt tief in der Rezession und könnte die EU-Partner nach Angaben seines Vize-Europaminister Andreas Mavroyiannis um bis zu vier Milliarden Euro bitten. Bislang lässt das Land aber offen, ob es Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm beantragen könnte oder auf Kredite etwa von Russland oder China zurückgreifen würde.

Spanien soll zur Stützung seiner Banken, die unter faulen Immobilienkrediten leiden, aus den Euro-Rettungsfonds bis zu 100 Milliarden Euro erhalten. Die genaue Summe und die Modalitäten der Zahlung sind aber noch unklar.

Dabei haben die Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien nach Ansicht des Bundesverbandes deutscher Banken die richtigen Schritte eingeleitet, um die Krise erfolgreich zu bekämpfen. "Wenn die Bankenhilfe beantragt ist und wir einen schlüssigen Rettungsplan für die spanischen Banken sehen, wird sich der Markt beruhigen", sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer den Dortmunder 'Ruhr Nachrichten'. "Auch Italien kann seine Probleme selbst lösen, wenn es in seinen Reformanstrengungen nicht nachlässt. Die wirtschaftliche Basis in Italien ist gut", fügte Kemmer hinzu.

Hollande warnt Griechenland

Ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone würde die deutschen Banken nicht "umwerfen", so Kemmer weiter. Das Engagement deutscher Institute in Griechenland liege bei unter fünf Milliarden Euro. Die Ansteckungseffekte wären nicht mehr so groß wie vor einem Jahr. "Griechenlands Probleme würden mit einem Austritt aus dem Euro jedoch verschärft. Das sollten die Griechen bei ihrer Wahlentscheidung am Sonntag berücksichtigen", warnte der Hauptgeschäftsführer. Zugleich wünscht er sich nach eigenen Worten, "dass es gelingt, Griechenland innerhalb des Euro-Raums zu stabilisieren".

Je näher die Wahl in Griechenland rückt, desto mehr gerät ein Mann in den Blickpunkt: Alexis Tsipras, Vorsitzender des linken Parteienbündnisses Syriza. Er könnte laut Umfragen die Wahl gewinnen. Er will im Falle eines Sieges das griechische Sparpaket nachverhandeln.

Der neue französische Präsident Francois Hollande schickte mahnende Worte an Tsipras voraus: "Ich muss sie warnen, weil ich ein Freund Griechenlands bin. Wenn Griechenland die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt, dann wird es EU-Länder geben, die den Aus- tritt Griechenlands aus der Eurozone fordern werden."